Nachhaltig Reisen Folge 11: Biosphärenpark Großes Walsertal – Leben im Einklang mit der Natur

Nachhaltig Reisen Folge 11: Biosphärenpark Großes Walsertal – Leben im Einklang mit der Natur

Eine Region, die nicht „nachhaltig wirbt“, sondern nachhaltig lebt

Abseits der großen Verkehrsachsen, zwischen Rätikon und Lechquellengebirge, liegt das Große Walsertal – ein hochalpines Seitental Vorarlbergs, das seit Jahren konsequent zeigt, wie Regionalentwicklung, Naturschutz und Tourismus zusammengehen können. Als UNESCO-Biosphärenpark versteht sich die Region nicht als Museum, sondern als lebendiger Wirtschafts- und Lebensraum: Landwirtschaft, Handwerk, Energie, Bildung und Urlaub greifen hier ineinander.

Wer hierher reist, merkt schnell: Das Tal funktioniert nach eigenen Regeln. Weniger Tempo. Mehr Verantwortung. Und ein klares Bekenntnis zu lokalen Kreisläufen.

 

Anreise & Mobilität – kleinräumig, logisch, gemeinschaftlich

Die klimafreundliche Anreise führt per Bahn nach Bludenz, von dort mit dem regionalen Bus direkt ins Tal – etwa nach Sonntag oder Fontanella. Vor Ort setzt man auf:

regelmäßige Busverbindungen zwischen den Dörfern
E-Bike-Verleih in mehreren Gemeinden
Gästekarten mit inkludierter Nutzung des öffentlichen Verkehrs
kurze Wege: viele Wanderungen starten direkt an der Unterkunft

Das Ziel ist klar: Urlaub ohne Auto soll die Normalität sein, nicht die Ausnahme.

 

Übernachten – reduziert, regional, ressourcenschonend

Im Großen Walsertal dominieren kleine, familiengeführte Betriebe statt anonymer Resorts. Gebaut wird mit Holz aus den eigenen Wäldern, geheizt mit Biomasse oder Solar, gekocht mit Zutaten aus dem Tal.

Typisch sind:

Bio-Pensionen mit regionalem Frühstück
Ferienwohnungen in Passivhausbauweise
einfache Berghütten mit eigener Stromversorgung

Viele Gastgeber:innen sind direkt in die Biosphärenpark-Strukturen eingebunden – Übernachten ist hier Teil eines größeren Systems, nicht isolierte Dienstleistung.

 

Aktivitäten – Natur erleben, nicht konsumieren

Das Große Walsertal ist kein Actionpark. Es ist ein Raum für langsames, bewusstes Unterwegssein:

alpine Wanderungen auf über 230 km markierten Wegen
geführte Kräuter- und Almexkursionen mit lokalen Naturvermittler:innen
Badepause am Seewaldsee – einem kleinen, hochgelegenen Moorsee
Themenwege zu Berglandwirtschaft, Biodiversität und Klimawandel

Statt Events gibt es Wissen. Statt Selfie-Spots echte Landschaft. Und statt Dauerbespaßung Zeit.

 

Kulinarik – was das Tal hergibt

Die Küche ist bodenständig, saisonal und eng mit der Alpwirtschaft verbunden:

Bergkäse, Butter und Joghurt von lokalen Sennereien
Rind- und Lammfleisch aus extensiver Weidehaltung
Dinkel, Kartoffeln, Kräuter und Beeren aus dem Tal
viele Betriebe arbeiten nach Slow-Food-Prinzipien

Gegessen wird, was gerade da ist – kein importierter Lifestyle, sondern ehrliche Regionalität.

Nachhaltigkeitsfaktor – Biosphärenpark als funktionierendes Modell

Der Biosphärenpark verfolgt einen klaren Ansatz: Schützen durch Nutzen – Nutzen durch Verantwortung.

Konkret heißt das:

über 30 % der Fläche stehen unter strengem Naturschutz
aktive Förderung kleinstrukturierter Berglandwirtschaft
Energieautarkie durch Holz, Sonne und Wasserkraft
Bildungsprogramme für Kinder, Gäste und Betriebe
regionale Wertschöpfung statt externer Investorenlogik

Das Große Walsertal ist damit kein „grünes Aushängeschild“, sondern ein praktischer Beweis, dass nachhaltige Entwicklung im Alpenraum wirtschaftlich tragfähig sein kann – wenn man sie konsequent umsetzt.

 

Weniger Destination, mehr Haltung

Das Große Walsertal ist kein Ort für schnellen Konsum. Es ist eine Einladung, sich auf andere Maßstäbe einzulassen: Gemeinschaft statt Wachstum, Qualität statt Quantität, Landschaft statt Inszenierung.

Wer hier Urlaub macht, erlebt nicht nur Berge – sondern ein funktionierendes Zukunftsmodell. Still, unspektakulär und genau deshalb so überzeugend.

 

Nächste Folge:
Altmühltal – Jurafelsen, Solardörfer und sanfter Radurlaub
Eine bayerische Region, die Naturpark, Klimaschutz und entschleunigten Tourismus bemerkenswert verbindet.

 

Giftfreie Liebesbekundungen am Valentinstag

Giftfreie Liebesbekundungen am Valentinstag

Die Sehnsucht nach leuchtenden Farben und frischem Grün ist in dieser Jahreszeit groß. Der Valentinstag institutionalisiert dies gepaart an diesem kollektiven Tag der Liebesbekundung. Allerdings raten Umweltverbände davon ab, Schnittblumen für den Valentinstag zu kaufen. Diese kommen nämlich zu einem großen Prozentsatz aus dem globalen Süden, beinhalten viele, auch zum Teil in der EU verbotene Pestizide, und weisen einen großen CO2-Fußabdruck auf.

 

Wer nun frische Blumen wie Rosen, Lilien und dergleichen kauft, muss davon ausgehen, dass diese zum überwiegenden Teil importiert werden, und zwar aus Ländern des globalen Südens, in denen andere Arbeits- und auch Pestizidvorschriften gelten als hierzulande. Besonders Kenia ist ein Exportland für Rosen und andere Schnittblumen. So importiert Deutschland mehr als eine Milliarde Rosen pro Jahr – davon kommen laut BUND per Flugzeug rund 250 Millionen aus Kenia, Sambia und Äthiopien sowie in den Sommermonaten 900 Millionen aus den Niederlanden.

 

„Gerade jetzt mitten im Winter ist es nur verrückt, Schnittblumen zu verschenken“

Corinna Hölzel, Nichtregierungsorganisation BUND gegenüber dem „Spiegel“

 

Laut Hölzner sind frische Sträuße, die zu dieser Jahreszeit verkauft werden, häufig „unter fragwürdigen Bedingungen produziert worden“ und schaden Umwelt und Klima. Auch Waltraud Novak von der österreichischen Umweltorganisation GLOBAL 2000 warnt vor den Schnittblumen, die häufig aus Übersee importiert würden. „Wir wissen seit fast zwei Jahrzehnten, dass Schnittblumen sehr stark mit Pestiziden belastet sind“, sagte sie, „verbessert hat sich die Lage leider kaum über die Jahre.“ Die Belastungen seien teilweise um das Zehnfache höher als bei Lebensmitteln. Grenzwerte einzuführen, dazu habe sich die EU bislang nicht entschließen können. Dies gefährdet auch die Florist:innen, die mit den perstizidbelasteten Blumen hantieren müssen.

 

Rosen sind stark mit Pestiziden belastet

Ökotest Deutschland hat im Jahr 2023 anlässlich des Valentinstags verschiedene Rosen auf Pestizide untersucht und 54 unterschiedliche Pestizidarten (!) in den Rosen gefunden, zum Teil solche, die in der EU verboten sind.

„Viele der Pestizide sind gefährlich für Nützlinge, verunreinigen Wasser, Böden und Luft“, so Expertin Hölzel. „Zudem stellen sie ein riesiges Gesundheitsproblem für die Arbeiterinnen und Arbeiter auf den Plantagen dar, die oft keine Information über die Gefahren und kaum Zugang zu Schutzkleidung haben.“

 

Rund 80 Prozent der hierzulande verkauften Schnittblumen stammen aus dem Ausland, vorwiegend aus den Niederlanden, Kenia, Italien, aus Äthiopien, Sambia oder Ecuador. GLOBAL 2000 zufolge sind viele der Sträuße stark mit Chemikalien belastet. In einer Studie vom Mai 2024 hatte die Umweltorganisation 79 verschiedene Pestizide auf den untersuchten 16 Blumensträußen gefunden. Im Durchschnitt war jeder Blumenstrauß mit 14 Pestiziden belastet. Auf einem Strauß wurden sogar 32 verschiedene Wirkstoffe nachgewiesen. Drei Viertel der Gebinde waren zudem mit Chemikalien belastet, die in der EU gar nicht mehr zugelassen sind, weil sie als besonders gefährlich und gesundheitsschädlich gelten.

 

Überblick über die gesamte Ökobilanz

Für die gesamte Ökobilanz müsse laut Hölzel neben

der Verwendung von mineralischem Dünger (energieintensiv aus fossilen Rohstoffen hergestellt)
dem Einsatz von Pestiziden
auch der Wasser- und Energieverbrauch bei der Produktion hinzugerechnet werden,
sowie der Transport mit Flugzeug, Schiff und/oder LKW.

Während Schnittblumen aus dem globalen Süden im Freien wachsen im Gegensatz zu Schnittblumen aus den Niederlanden oder Italien und dadurch weniger Heizenergie benötigen, ist der Wassserverbrauch zum Beispiel in Kenia ein großes Problem, weil es zu Knappheit der Wasserressourcen führt und dadurch die Lebensmittelproduktion negativ beeinträchtigt.

Darüber hinaus sind die Bestimmungen für die Verwendung verschiedenster Pestizide und mineralischer Dünger in der EU weitaus strenger als in Ländern des globalen Südens, ebenso die Arbeitsbestimmungen für die Arbeitenden. Desweiteren verursacht der Transport mit Flugzeug mehr Treibhausgasemissionen als der Transport mit LKW.

 

Fehlende Einfuhrbestimmungen sind Hauptgrund

Als Grundproblem sieht Novak, dass es in Europa kein Gesetz gibt, welches Pestizidrückstände auf Zierpflanzen regelt. Fehlende Einfuhrbestimmungen öffnen dabei selbst jenen Pestiziden Tür und Tor, die in der Europäischen Union gar nicht mehr verwendet werden dürfen. Auf drei Viertel der untersuchten Proben fanden sich Wirkstoffe, die in der EU nicht zugelassen sind.

Darunter etwa gesundheitlich besonders bedenkliche Substanzen wie Carbendazim, Chlorpyrifos und Iprodion. Ersteres ist bereits seit einem Jahrzehnt nicht mehr zugelassen, da Carbendazim als mutagen und fortpflanzungsschädigend eingestuft ist. Es kann genetische Defekte verursachen, die Fruchtbarkeit beeinträchtigen und sogar das Kind im Mutterleib schädigen.

 

Alternativen zu Schnittblumen

Man kann statt Schnittblumen aus Übersee heimische Pflanzen kaufen, damit stärkt man regionale Produzenten, die den EU-Standards unterliegen – zum Beispiel Tulpen und andere Frühblüher
Oder man schenkt Topfpflanzen aus heimischem Anbau, die man dann aussetzen kann
Frühblühende Zweige sind ebenfalls eine gute Alternative
Es gibt auch die sogenannte Slowflower-Bewegung mit Produzent:innen und Händler:innen in Deutschland, Österreich, Schweiz und Liechtenstein, die regionale, saisonale und nachhaltig produzierte Blumen anbieten
Es gibt natürlich auch die Variante, ganz auf Blumen zu verzichten und auf andere Liebesbekundungen zu setzen

CO₂-Preis unter Druck – kippt Europas zentrales Klimainstrument?

CO₂-Preis unter Druck – kippt Europas zentrales Klimainstrument?

European Union Emissions Trading System gilt als Herzstück der europäischen Klimapolitik. Doch genau dieses Instrument steht unter wachsendem politischen und wirtschaftlichen Druck.

 

Volatilität statt Verlässlichkeit

Der CO₂-Preis im EU-Emissionshandel schwankte in den vergangenen Jahren erheblich – zwischen unter 30 Euro und zeitweise über 100 Euro pro Tonne.

Für Industrie und Investoren ist das ein Problem. Ein CO₂-Preis soll Investitionen in klimafreundliche Technologien lenken. Doch Lenkungswirkung entsteht nur durch Planbarkeit.

Wenn Unternehmen nicht abschätzen können, ob CO₂ mittelfristig 60 oder 110 Euro kostet, verschieben sie Investitionen oder sichern sich politisch ab. Das schwächt die Transformationsdynamik.

 

Politischer Interventionsdruck

Mit steigenden Energiepreisen und Inflationssorgen wächst der Druck auf Regierungen, einzugreifen. Industrieverbände fordern Entlastungen, einzelne Mitgliedstaaten diskutieren Marktanpassungen oder Preisstabilisierungsmechanismen.

Jeder politische Eingriff sendet jedoch ein Signal: Der Markt ist nicht vollständig autonom, sondern politisch verhandelbar.

Ein Emissionshandel funktioniert nur, wenn die künstliche Verknappung von Zertifikaten glaubwürdig ist. Wird diese Glaubwürdigkeit untergraben, verliert der Preis seine strategische Autorität.

 

Ausweitung erhöht die Komplexität

Mit dem zweiten Emissionshandelssystem für Gebäude und Verkehr (ETS II) wird der CO₂-Preis künftig auch Haushalte direkter betreffen.

Das erhöht die soziale Sensibilität erheblich. Ohne wirksame Ausgleichsmechanismen entsteht politischer Widerstand – und damit erneut Interventionsdruck.

Das System wird größer und politisch exponierter.

 

Das strukturelle Spannungsfeld

Der CO₂-Preis soll gleichzeitig vier Ziele erfüllen:

Investitionssicherheit schaffen
Emissionen verlässlich reduzieren
soziale Akzeptanz sichern
Wettbewerbsfähigkeit erhalten

Diese Ziele stehen zunehmend in Spannung zueinander.

Kurzfristig ist das System stabil. Langfristig hängt seine Wirksamkeit davon ab, ob Europa bereit ist, Preissignale auch dann zu akzeptieren, wenn sie wirtschaftlich und sozial spürbar werden.

 

Prognosen: Für 2026 erwarten Marktanalysten weiterhin deutliche Preisschwankungen im EU-Emissionshandel. Im Jahresdurchschnitt werden CO₂-Preise meist in einer Bandbreite von rund 80 bis 100 Euro pro Tonne verortet – abhängig von Konjunktur, Energiepreisen und politischen Signalen.

Langfristige Entwicklung: Da die verfügbare Menge an Emissionszertifikaten im Rahmen des EU-ETS schrittweise reduziert wird, nimmt die strukturelle Knappheit zu. Diese Verknappung gilt als zentraler Preistreiber. In vielen Szenarien liegen die durchschnittlichen CO₂-Preise bis 2030 deshalb bei über 120 Euro pro Tonne.

 

Der CO₂-Preis ist Europas stärkstes Klimainstrument.
Aber nur solange seine politische Standfestigkeit größer ist als der Widerstand gegen seine Wirkung.

Klimafreundliche, KI-gestütze Nahrungsmittelproduktion mit organischen Abfällen

Klimafreundliche, KI-gestütze Nahrungsmittelproduktion mit organischen Abfällen

Der globale Bedarf an nachhaltigen Proteinquellen wächst rasant, während zugleich enorme Mengen organischer Abfälle ungenutzt bleiben. Das Forschungsprojekt FLY4FOOD nimmt sich genau dieser Herausforderung an: Mit einer digitalen, KI-gestützten Lösung zur Optimierung der Zucht der Schwarzen Soldatenfliege (Black Soldier Fly, BSF) wollen Forscher:innen des August-Wilhelm-Scheer Instituts gemeinsam mit Partnern eine ressourceneffiziente, skalierbare und klimafreundliche Proteinproduktion der Zukunft etablieren. 

 

Die weltweite Produktion von Proteinen wie klassische Viehzucht und auch der Anbau von Sojabohnen verbraucht viele Ressourcen, führt zu weltweiter Abholzung der Regenwälder und trägt zu den Treibhausgasemissionen bei. Gleichzeitig produzieren wir weltweit über 2 Milliarden Tonnen kommunaler Abfälle, davon rund 44% organisches Material, das ein bis dato ungenutztes Potenzial darstellt. Das Projekt FLY4FOOD will einerseits eine klimafreundliche Proteinproduktion ermöglichen und dazu organische Abfälle nutzen.

 

Zucht der produktiven Schwarzen Soldatenfliege nimmt zu

Die Zucht der Schwarzen Soldatenfliege nimmt in Mitteleuropa stark zu. Kaum ein Insekt ist so produktiv und genügsam wie dieses. So kann aus 1,1 Kilo Futter rund 1,3 Kilo Fliegenlarven gezogen werden. Für 1 Kilo Protein benötigt man vier Kilo Larven. Dabei legt ein Weibchen rund 1200 Eier. Innerhalb von nur 2 Wochen verzehntausendfacht sich das Gewicht von Ei bis Larve. Das Insekt hat eine Gesamtlebensspanne von ca 40 Tagen. Die Larven sind Nährstoffbomben und enthalten viel Protein und Fett.

Sie gelten in der EU als Nutztier, können daher unkompliziert gezüchtet werden und sind besonders als Futtermittel in der Aquakultur aber auch als Beigabe zu Geflügel- , Schweine- und Hundefutter im Einsatz.

Verbindung von KI und Nutzung organischer Abfälle

Im Zentrum von FLY4FOOD steht die Integration modernster Technologien – Sensorik, Internet of Things (IoT), Digital Twin-Modelle und künstliche Intelligenz –, um Umweltbedingungen, Futtermischungen und Produktionsprozesse präzise zu steuern und damit die Zucht der BSF-Larven zu stabilisieren und zu optimieren. Die Larven der BSF können organische Abfälle in hochwertige Proteine, Fette und biobasierte Rohstoffe umwandeln, die sowohl für Lebensmittel, Futtermittel als auch industrielle Anwendungen nutzbar sind.

Mit seinem innovativen Ansatz verbindet FLY4FOOD laut AWS Institut digitale Technologien, KI-Methoden und Biotechnologie zu einer ganzheitlichen Lösung für eines der zentralen Zukunftsthemen unserer Zeit: nachhaltige, klimafreundliche Nahrungsmittel- und Rohstoffproduktion aus biogenen Reststoffen.

 

Das August‑Wilhelm Scheer Institut übernimmt dabei die zentrale Rolle der Digitalisierung und KI-Optimierung im Projekt: Aufbau einer skalierbaren Systemarchitektur, Entwicklung und Integration prädiktiver KI-Modelle, Echtzeit-Überwachung mittels IoT-Sensoren sowie die Implementierung eines digitalen Zwillings zur Simulation und Steuerung von Zuchtbedingungen. Diese technologischen Bausteine bilden die Grundlage für eine precision farming-orientierte, datengetriebene Insektenproduktion, die weltweit skalierbar ist.

 

FLY4FOOD wird im Rahmen des Programms Bioeconomy International des Bundesministerium für Forschung und Technologie gefördert und vereint Partnerinstitutionen aus Deutschland und Thailand.

 

Link

Projekt FLY4FOOD

USA kippen zentrale CO₂-Regelung

USA kippen zentrale CO₂-Regelung

Mit der erneuten politischen Einflussnahme auf die US-Klimapolitik steht ein zentrales Instrument zur Begrenzung von Treibhausgasen erneut unter Druck. Donald Trump kündigte an, zentrale CO₂-Regulierungen der Umweltbehörde EPA rückgängig zu machen beziehungsweise deutlich abzuschwächen. Betroffen sind insbesondere Vorgaben für Kraftwerke, Industrieanlagen und Fahrzeugemissionen.

 

Was konkret aufgehoben werden soll

Im Fokus steht die Rücknahme verschärfter Emissionsstandards, die unter der Biden-Regierung eingeführt oder ausgeweitet wurden. Dazu zählen strengere Grenzwerte für CO₂-Ausstoß bei Kohle- und Gaskraftwerken sowie ambitionierte Abgasstandards für PKW und leichte Nutzfahrzeuge. Ziel dieser Regelungen war es, die USA auf einen Pfad zur Netto-Null-Emission bis 2050 zu bringen.

Trump argumentiert mit wirtschaftlicher Entlastung. Die Vorschriften seien „job-killing regulations“, die Energiepreise erhöhten und die Wettbewerbsfähigkeit amerikanischer Unternehmen schwächten. Besonders die fossile Industrie und Teile der Schwerindustrie begrüßen die angekündigten Schritte.

 

Signalwirkung für Märkte und Investitionen

Die Entscheidung hat weitreichende Folgen über die USA hinaus. Internationale Investoren beobachten genau, wie verlässlich regulatorische Rahmenbedingungen im größten Kapitalmarkt der Welt bleiben. Wer Milliarden in erneuerbare Energien, Speichertechnologien oder CO₂-Abscheidung investiert, kalkuliert mit politischen Leitplanken. Wenn diese zyklisch aufgehoben und wieder eingeführt werden, steigt das regulatorische Risiko erheblich.

Für die Industrie entsteht ein strategisches Dilemma. Unternehmen, die langfristig auf Dekarbonisierung setzen, müssen weiterhin globalen Klimavorgaben folgen – etwa durch EU-Regulierungen oder CO₂-Grenzausgleichsmechanismen. Ein Rückschritt in den USA bedeutet nicht, dass globale Märkte ihre Anforderungen senken. Im Gegenteil: Er könnte amerikanische Produzenten im Exportgeschäft sogar benachteiligen.

 

Klimapolitische Konsequenzen

Die USA sind historisch einer der größten Emittenten von Treibhausgasen. Eine Abschwächung der CO₂-Regulierung würde den nationalen Emissionspfad nach oben verschieben und internationale Klimaziele unter Druck setzen. Bereits während Trumps erster Amtszeit war das Land aus dem Pariser Klimaabkommen ausgetreten – ein Schritt, der international als massiver Rückschritt gewertet wurde.

Zudem schwächt eine solche Entscheidung multilaterale Verhandlungen. Wenn eine der führenden Volkswirtschaften ihre Klimaziele relativiert, sinkt der Druck auf andere Staaten, ambitionierte Maßnahmen umzusetzen.

 

Politik oder Strukturtrend?

Trotz politischer Kurswechsel bleibt der strukturelle Trend zur Dekarbonisierung bestehen. Er wird nicht allein durch Regulierung getrieben, sondern zunehmend durch Marktmechanismen: fallende Kosten für Solar- und Windenergie, Skaleneffekte bei Batteriespeichern, Investitionen in grüne Wasserstoffprojekte und institutioneller Druck von Kapitalgebern.

Die eigentliche Frage lautet daher nicht, ob einzelne Vorschriften aufgehoben werden, sondern ob sich die USA langfristig als verlässlicher Standort für die Transformation positionieren wollen. Politische Volatilität schafft kurzfristige Erleichterung für bestimmte Branchen – langfristig jedoch Unsicherheit für strategische Investitionen.

 

Klimapolitik ist kein ideologisches Projekt, sondern eine infrastrukturelle und wirtschaftliche Notwendigkeit. Wer sie als Wahlkampfinstrument behandelt, riskiert nicht nur ökologische, sondern auch ökonomische Schäden.

 

EinkommensUNgerechtigkeit startet bereits in der Ausbildung

EinkommensUNgerechtigkeit startet bereits in der Ausbildung

Der Equal Pay Day 2026 in Österreich findet heuer am 11. Februar statt. Frauen arbeiten somit  42 Kalendertage „gratis“. Er zeigt auf, wie groß die Einkommensdifferenz zwischen Männern und Frauen bei gleicher Arbeitszeit ist. Machen wir so weiter, erreichen wir die Gleichberechtigung auf diesem Gebiet in Österreich 2043. In Deutschland ist die Situation noch schlechter: hier arbeiten Frauen insgesamt 58 Tage unbezahlt. Der nächste Equal Pay Day findet deshalb deutschlandweit am 27. Februar 2026 statt.

 

Der Gender Pay Gap in Österreich beträgt aktuell 11,6 %. Das bedeutet, dass Frauen in Österreich 42 Kalendertage im Jahr rechnerisch unbezahlt arbeiten – der Equal Pay Day 2026 fällt daher auf den 11. Februar. Grundlage der Berechnung sind die Median-Bruttojahreseinkommen 2024 der ganzjährig Vollzeitbeschäftigten gemäß Statistik Austria.

In Deutschland beträgt der Gender Pay Gap laut Business and Professional Women Gesellschaft (BPW) – seit 2008 Initiatorin der Equal Pay Day Kampagne – aktuell 16%. Rechnet man den Wert  in Tage um, arbeiten Frauen vom 1. Januar an sogar 58 Tage unentgeltlich. Grundlage sind Berechnungen dess Statistischen Bundesamts für das Jahr 2025.

Wir sind also in Mitteleuropa im Bereich Lohn noch weit vom UN-Nachhaltigkeitsziel der Geschlechtergleichberechtigung (SDG #5) entfernt.

 

„Vom ersten Lohn bis zur Pension“

 -EinkommensUNgerechtigkeit beginnt nicht erst im Berufsleben – sie startet bereits in der Ausbildung

Weibliche Lehrlinge verdienen im Schnitt um 7,8 % weniger als ihre männlichen Kollegen. Im aktiven Erwerbsleben steigt die Einkommenslücke auf 11,6 % und verschärft sich in der Pension dramatisch: Pensionistinnen erhalten durchschnittlich rund 36 % weniger Alterseinkommen als Männer. Der Gender Pay Gap zieht sich somit durch das gesamte Erwerbsleben – vom ersten Lehrlingslohn bis zur Pension.

Die Unterschiede innerhalb Österreichs bleiben deutlich: Wien: 4,2 % – Equal Pay Day am 15. Jänner 2026 und Vorarlberg: 20,1 % – Equal Pay Day am 14. März 2026. Es spielt eine entscheidende Rolle, wo Frau lebt und arbeitet. Während Wien weiterhin die geringste Einkommenslücke aufweist, bleibt Vorarlberg Schlusslicht im Bundesländervergleich. Diese regionalen Unterschiede zeigen, dass Einkommensgerechtigkeit keine Selbstverständlichkeit ist, sondern strukturelle Rahmenbedingungen widerspiegelt.

Besonders gravierend sind die Unterschiede nach Beschäftigungsform:

Arbeiterinnen: 25,1 %,
Angestellte: 27,9 %,
Vertragsbedienstete: 6,1 %,
Beamtinnen: +4,8 %

Auch diese Zahlen verdeutlichen: EinkommensUNgerechtigkeit ist strukturell verankert.

Der Equal Pay Day 2026 dokumentiert diese strukturelle EinkommensUNgerechtigkeit und unterstreicht die Dringlichkeit politischer Maßnahmen. BPW Austria fordert daher die . Einkommensgerechtigkeit darf weder vom Wohnort noch vom Lebensalter abhängen – sie muss vom ersten Erwerbstag an gelten.

 

Deutschland ist Schlusslicht

Frauen erhalten in Deutschland im Schnitt 16 Prozent weniger als Männer, das hat das Statistische Bundesamt für das Jahr 2025 berechnet. Als Gender Pay Gap oder geschlechtsspezifische Lohnlücke wird die prozentuale Differenz zwischen durchschnittlichen Bruttostundenlohn der Männer und dem durchschnittlichen Bruttostundenlohn der Frauen im Verhältnis zum durchschnittlichen Bruttostundenlohn der Männer bezeichnet. Frauen erhielten im Jahr 2025 mit durchschnittlich 22,81 Euro einen um 4,24 Euro geringeren Bruttostundenverdienst als Männer (27,05 Euro).

Rechnet man den Wert von 16 Prozent in Tage um, arbeiten Frauen vom 1. Januar an 58 Tage unentgeltlich. Der nächste Equal Pay Day findet deshalb am 27. Februar 2026 statt.

 

Forderungen der BPW

zügige Umsetzung der EU-Richtlinie zur Lohntransparenz in nationales Recht
verbindliche Einkommensdaten
konsequente, gesetzlich garantierte Durchsetzung von gleichem Lohn für gleichwertige Arbeit
steuerliche Begünstigung für Unternehmen, die nachweislich gleiche Löhne für gleichwertige Arbeit zahlen
Aufwertung der Niedriglohnbranchen
flächendeckenden Ausbau von Kinderbetreuung
höhere Investitionen in Bildung und Forschung

Dazu braucht es Daten von Unternehmen und Maßnahmen durch die Politik! Nur das führt zu gerechter Entlohnung, die Frauen und Männer gleich stellt.

 

Links

Equal Pay Day  – BPW Austria

Equal Pay Day – BPW Germany

Geoengineering verlässt die Theorie: Programme, Budgets und reale Experimente

Geoengineering verlässt die Theorie: Programme, Budgets und reale Experimente

Geoengineering wird nicht mehr nur modelliert, sondern getestet. Zwar weiterhin im kleinen Maßstab, aber erstmals mit staatlicher Finanzierung und privatem Kapital. Zwei Entwicklungen sind zentral: das britische Exploring Climate Cooling Programme und eine wachsende Zahl von US- und EU-Startups im Bereich Solar Radiation Management (SRM).

 

Staatlich finanziert, bewusst klein: Was Großbritannien konkret testet

Das britische Exploring Climate Cooling Programme wurde 2023 aufgelegt und ist mit rund 10 Millionen Pfund für eine erste Phase ausgestattet. Finanziert wird es über staatliche Forschungsbudgets, koordiniert durch nationale Wissenschaftsorganisationen. Das Programm fördert mehrere parallele Projekte, darunter:

Marine Cloud Brightening: Tests zur gezielten Aufhellung maritimer Wolken, um ihre Rückstrahlfähigkeit zu erhöhen
Aerosol-Grundlagenforschung: Untersuchung von Partikelgrößen, Lebensdauer und Wechselwirkungen in der Atmosphäre
Mess- und Governance-Experimente: Wie lassen sich Effekte, Risiken und Nebenwirkungen überhaupt zuverlässig erfassen?

Die Größenordnung ist entscheidend: Die Experimente bewegen sich im Bereich von Gramm bis Kilogramm Material, nicht Tonnen. Zum Vergleich: Ein theoretisch klimawirksames SRM-Szenario würde mehrere Millionen Tonnen Aerosole pro Jahr erfordern. Das britische Programm ist damit explizit kein Klimainterventionsprojekt, sondern ein Wissens- und Kontrolltest.

Politisch relevant ist weniger die Technik als das Signal: Ein G7-Staat akzeptiert Geoengineering als legitimes Forschungsfeld mit realen Freilandexperimenten.

 

Venture-Logik statt Vorsorgeprinzip: Zahlen zu US- und EU-Startups

Parallel agieren private Akteure mit völlig anderer Logik. Mehrere Geoengineering-Startups in den USA und Europa haben seit 2022 zweistellige Millionenbeträge eingesammelt. Öffentliche Berichte sprechen von 60–75 Millionen US-Dollar Venture-Kapital für SRM-nahe Ansätze.

Typische Merkmale dieser Initiativen:

– Einsatz von Wetterballons oder Drohnen zur Partikelfreisetzung
– Fokus auf Stratosphäre (20–30 km Höhe), da dort Partikel länger verbleiben
– Kaum veröffentlichte Peer-Review-Daten, geringe Transparenz
– Keine internationale Genehmigungsstruktur

Ein bekanntes Beispiel ist Make Sunsets, das bereits reale Ballonstarts durchgeführt hat. Die freigesetzten Mengen sind zwar minimal, der Präzedenzfall ist es nicht. Erstmals entscheidet ein privates Unternehmen eigenständig über Eingriffe in atmosphärische Prozesse.

Ökonomisch ist das Modell fragil: Selbst optimistische Schätzungen gehen davon aus, dass ein global wirksames SRM-System jährlich zweistellige Milliardenbeträge kosten würde, zuzüglich permanenter Betriebskosten. Ein Abbruch nach Beginn würde innerhalb weniger Jahre zu einem rapiden Temperaturanstieg führen (Termination Shock).

 

Zahlen zur Wirkung – und zur Illusion der Kontrolle

Klimamodelle zeigen, dass SRM theoretisch 0,5–1,0 °C Erwärmung kompensieren könnte. Gleichzeitig bleiben zentrale Risiken ungelöst:

Regionale Niederschlagsverschiebungen (Monsune, Dürregebiete)
Keine Wirkung auf CO₂-Konzentration, Ozeanversauerung bleibt bestehen
Abhängigkeitseffekt: Einmal gestartet, kaum kontrollierbar beendbar
Governance-Problem: Kein globales Mandat, keine Haftungsregeln

 

Der Kontrast ist klar: Während staatliche Programme Millionen investieren, um Risiken zu verstehen, investieren private Akteure Millionen, um schneller handlungsfähig zu sein. Beides passiert gleichzeitig, ohne verbindlichen internationalen Rahmen. Das ist der kritische Punkt. Geoengineering ist nicht mehr hypothetisch, aber auch nicht beherrschbar. Die aktuellen Zahlen zeigen keine technische Lösung, sondern eine wachsende Diskrepanz zwischen Machbarkeit, politischer Kontrolle und globaler Verantwortung.

 

Nachhaltig Reisen Folge 10: Zell am See-Kaprun – Gletscher, See und grüne Energie

Nachhaltig Reisen Folge 10: Zell am See-Kaprun – Gletscher, See und grüne Energie

Wo Alpenidylle auf Klimaschutz trifft

Zell am See-Kaprun ist eine Region, wie sie im Bilderbuch steht: ein tiefblauer See, umgeben von grünen Almen und schneebedeckten Gipfeln – allen voran der Kitzsteinhorn-Gletscher. Doch hinter dieser klassischen Alpenkulisse steckt eine der innovativsten Klimaschutzregionen Österreichs.

Hier wird nicht nur über nachhaltigen Tourismus gesprochen – sondern aktiv umgesetzt: mit einem der modernsten E-Mobilitätskonzepte Europas, klimaneutralen Seilbahnbetrieben, grüner Energiegewinnung aus Wasser, Wind und Sonne sowie einem ganzheitlichen Verständnis von Umweltbildung und Ressourcenschonung.

 

Anreise & Mobilität – E-Mobilität im Echtbetrieb

Zell am See-Kaprun ist bequem per Bahn erreichbar – z. B. über Salzburg oder Innsbruck. Von dort beginnt ein Mobilitätskonzept, das konsequent auf Klimafreundlichkeit setzt:

Bahnhof Zell am See – mit direkter Anbindung an den Ortsverkehr, Wanderbusse und Skibusse
eLOIS (E-Lokal-Öko-Individualverkehr-System): Elektroshuttles und E-Carsharing für Gäste
E-Bike-Verleihsystem in Zell, Kaprun und Thumersbach – mit gut ausgebautem Radnetz
Gletscherbahnen und Bergbahnen arbeiten mit eigenem Ökostrom aus Wasserkraft

Mit der „Mobilitätskarte Pinzgau“ sind viele dieser Angebote für Gäste kostenlos oder stark vergünstigt.

 

Übernachten – umweltzertifiziert und zukunftsorientiert

Die Region bietet eine große Auswahl an nachhaltig geführten Unterkünften – von Bio-Hotels bis zu energieautarken Berghütten.

Empfehlenswerte Adressen:

Tauern Spa Zell am See-Kaprun – großes Resort mit energieeffizientem Gebäudekonzept und Bio-Zertifizierungen
Gästehaus Unterberger – zertifiziert nach dem österreichischen Umweltzeichen, familiär geführt, regionale Produkte
Berghotel Rudolfshütte (Hohe Tauern) – nur per Seilbahn erreichbar, klimafreundlich bewirtschaftet, CO₂-reduziert durch eigene Kraftwerke

Viele Gastgeber:innen arbeiten eng mit der Region zusammen, bieten E-Ladestationen, Müllvermeidungssysteme, Wasserspartechnik und regionales Frühstück.

 

Aktivitäten – Gletscher, See und sanfte Abenteuer

Zell am See-Kaprun bietet eine spektakuläre Vielfalt an klimafreundlichen Outdoor-Erlebnissen – und legt großen Wert auf naturverträgliche Freizeitangebote.

Wandern am Kitzsteinhorn und Schmittenhöhe – inklusive lehrreichen Themenwegen zum Gletscher- und Klimaschutz
E-Bike-Touren rund um den Zeller See, entlang der Salzach oder auf Almen mit E-Ladestationen
Kitzsteinhorn Explorer Tour – mit Nationalpark-Rangern und Klimaexperten
Stand-Up-Paddling, Schwimmen, Naturbeobachtung am Zeller See – mit ausgezeichnetem Trinkwasser
Im Winter: Klimaneutrales Skifahren – alle Lifte mit 100 % Ökostrom, CO₂-Kompensation bei Skitickets, Lawinensicherheit ohne Helikopter

Zusätzlich gibt es ein dichtes Netz an Naturpädagogik-Angeboten, Wildtierbeobachtung und familienfreundlichen Klimawanderungen.

 

Kulinarik – regional, alpin, verantwortungsvoll

Die Region Zell am See-Kaprun verbindet alpine Küche mit Regionalität, Saisonalität und Bio-Standards:

Almkäse und Butter von den eigenen Alpen
Wild und Bio-Fleisch aus lokaler Jagd und Landwirtschaft
Kräuter, Honig, Obst und Brot aus dem Pinzgau
Zertifizierte Bio-Wirte und Mitgliedsbetriebe von „Genussregion Österreich“

Viele Restaurants bieten klimabewusste Menüs, vegetarische Vielfalt und geben Auskunft über Herkunft und Tierhaltung der Produkte.

 

Nachhaltigkeitsfaktor – eine Region im Wandel

Zell am See-Kaprun verfolgt konkrete Umweltziele – und ist damit weit mehr als nur ein schöner Ferienort:

„KEM Zell am See“ – Teil der österreichweiten Klimaschutzmodellregionen, mit konkreten CO₂-Zielen bis 2030
Green Tech bei Seilbahnen und Liften – Ökostrom, Wärmerückgewinnung, Schneemanagement mit Sensorik
Beteiligung der Bevölkerung an Klimastrategien (z. B. PV-Förderungen, Energieberatung, Schulprojekte)
Zusammenarbeit mit dem Nationalpark Hohe Tauern in Forschung, Schutz und Bildung

Hier wird gezeigt, dass Alpentourismus auch klimaresilient und energieautark gestaltet werden kann – mit wirtschaftlichem Erfolg und ökologischer Verantwortung.

 

Die Zukunft liegt am Berg

Zell am See-Kaprun ist eine Region im Wandel – und ein Vorbild dafür, wie alpine Destinationen echte Nachhaltigkeit nicht nur darstellen, sondern umsetzen können. Zwischen Gletscher, See und Tal entsteht ein lebendiger Raum, der Erholung bietet, ohne auf Kosten kommender Generationen zu leben.

Wer hier urlaubt, kann genießen – und gleichzeitig dazu beitragen, dass die Natur bleibt, wie sie ist: kraftvoll, lebendig und voller Zukunft.

 

Nächste Folge:
Biosphärenpark Großes Walsertal – Leben im Einklang mit der Natur
Eine der ursprünglichsten Regionen Vorarlbergs, in der Nachhaltigkeit nicht Programm, sondern gelebte Kultur ist – seit Generationen.

 

Herzerwärmende Minestrone

Herzerwärmende Minestrone

Wenn ich an meine leider bereits verstorbene Tante denke, kommt mir sofort ihre herrliche Minestrone in den Sinn. Eine Gemüsesuppe mit unterschiedlichsten Gemüsesorten, die einen einzigartigen, unverwechselbaren Geschmack hat und einem das Herz aufgehen lässt. In ihrer Version gab es diese ohne Nudeln oder Reis, man kann diese jedoch hinzugeben und dadurch eine sättigende Hauptspeise zaubern.

 

Die Zutatenliste

(Man kann die Zutaten je nach Jahreszeit variieren)

2-3 Karotten (Möhren) – in Scheiben schneiden
2-3 Stangen Sellerie – würfelig schneiden
eine weiße Zwiebel (groß) – würfelig schneiden
eine Zucchini – würfelig schneiden (ist eher für die Sommerversion gedacht)
wenn verfügbar: 100 Gramm grüne Bohnen
eine Dose geschälte Tomaten (ca. 400 Gramm) – in bissgroße Stücke schneiden (in den Sommermonaten frische Tomaten verwenden)
eine Dose oder ein Glas Bohnen – entweder weiße Bohnen oder andere wie zum Beispiel Canellini- oder Borlotti-Bohnen
100 Gramm Tiefkühlerbsen (waren immer in der Minestrone meiner Tante zu finden)
1-1,5 Liter Gemüsebrühe (am besten selbst gemacht)
2-3 Knoblauchzehen
In manchen Variantionen kommt auch noch Jungspinat dazu
2 EL Olivenöl
1 Lorbeerblatt
wer will nimmt 100 Gramm kurze Pasta oder auch Reis
optional: Parmesan

 

So geht’s:

Nachdem das Gemüse geschnitten und die Bohnen abgetropft sind, erhitzen wir das Olivenöl bei mittlerer Hitze in einem großen Topf und geben dann Zwiebel Karotten (Möhren) und Sellerie hinzu. Wir dünsten dies nun ein paar Minuten, bis die Zwiebelstücke glasig sind.

Danach geben wir die gehackten Knoblauchzehen sowie die grünen Bohnen hinzu und braten diese kurz mit an.

Dazu kommen die Gemüsebrühe sowie das Lorbeerblatt. Nun lassen wir das Ganze aufkochen, reduzieren die Hitze und köcheln es rund 15 Minuten weiter.

Nun fügen wir die Tomaten, Bohnen, Zucchini und Erbsen hinzu und lassen es offen weitere 15 Minuten köcheln. Wer Nudeln hinzufügen will, gibt sie nun ebenfalls direkt in die Minestrone hinzu und lässt sie (je nach Angabe auf der Packung) al dente kochen.

In manchen Rezepten wird auch Salbei, Oregano und Basilikum hinzugefügt, aber in der Suppe meiner Tante waren diese Kräuter nicht vorhanden und die Minestrone schmeckte vorallem nach den verschiedenen Gemüsesorten.

Wir geben zum Schluss die Suppe noch Salz und Pfeffer je nach Bedarf hinzu.

In der nicht-veganen Variante streuen wir finalmente Parmesan beim Anrichten darüber.

 

Buon Appetito!

Geoengineering – wie ein Klimaversuch in Kalifornien scheiterte

Geoengineering – wie ein Klimaversuch in Kalifornien scheiterte

Ein Experiment mit großer Vision

Im Frühjahr 2024 starteten Forschende der University of Washington ein Feldexperiment zur sogenannten Marine Cloud Brightening (MCB) – einer Form von Solar Radiation Modification. Die Grundidee: winzige Partikel aus Meerwasser werden in die Luft gesprüht, um Wolken aufzuhellen und so einen Teil der Sonneneinstrahlung ins All zurückzuwerfen. Theoretisch könnte dieses Verfahren helfen, die Erderwärmung kurzfristig zu dämpfen.

Das Projekt war Teil des UW Marine Cloud Brightening Program und wurde gemeinsam mit SRI International durchgeführt. Zum Einsatz kam ein spezielles Aerosol-Sprühgerät, das auf dem stillgelegten Flugzeugträger USS Hornet installiert wurde, der in Alameda liegt.

Ziel des Versuchs war nicht, das Klima zu beeinflussen, sondern grundlegende physikalische Prozesse zu untersuchen: Wie groß sind die erzeugten Partikel? Wie verteilen sie sich? Und wie gut lassen sich solche Effekte mit Klimamodellen vorhersagen?

 

Stopp wegen fehlende Transparenz

Doch der Test endete abrupt. Die Stadt Alameda war im Vorfeld nicht informiert worden und erfuhr erst über Medienberichte von dem Experiment. Nach kurzer Zeit untersagten die Behörden den weiteren Betrieb der Sprühanlage. Wenige Wochen später beschloss der Stadtrat einstimmig, das Projekt am Standort dauerhaft zu verbieten.

Als Gründe nannte die Stadt unter anderem fehlende Genehmigungen, mangelnde Transparenz und die Sorge vor möglichen Umwelt- und Gesundheitsfolgen. Der Fall machte deutlich: Selbst kleine wissenschaftliche Feldtests im Bereich Geoengineering stoßen schnell an gesellschaftliche Grenzen, wenn Öffentlichkeit und lokale Politik nicht eingebunden sind.

 

Was ist Solar Radiation Modification überhaupt?

Solar Radiation Modification (SRM) bezeichnet eine Gruppe technischer Ansätze, mit denen die Erde künstlich gekühlt werden soll, indem Sonnenlicht reflektiert wird. Neben Marine Cloud Brightening gehören dazu auch Methoden wie das Einbringen von Aerosolen in die Stratosphäre oder das gezielte Verändern bestimmter Wolkentypen.

Allen Verfahren ist gemeinsam: Sie bekämpfen nicht die Ursache des Klimawandels – den Ausstoß von Treibhausgasen –, sondern greifen direkt in den Strahlungshaushalt des Planeten ein.

 

Zwischen Hoffnung und Hochrisiko-Technologie

Befürworter argumentieren, SRM könnte im Ernstfall als kurzfristige Notbremse dienen, falls gefährliche Kipppunkte im Klimasystem näher rücken. Die Effekte wären potenziell schnell wirksam und teilweise reversibel.

Kritiker:innen warnen hingegen vor massiven Risiken:

mögliche Verschiebungen von Niederschlagsmustern und Monsunen
schwer abschätzbare Folgen für Ökosysteme, besonders in den Ozeanen
geopolitische Konflikte, falls einzelne Staaten oder Akteure eigenmächtig eingreifen
ein sogenannter Moral Hazard: Die Aussicht auf technische Lösungen könnte den Druck mindern, Emissionen wirklich zu senken

Hinzu kommt ein zentrales Problem: Es existiert bislang kein internationaler Rechtsrahmen, der Forschung oder mögliche Anwendungen solcher Technologien verbindlich regelt.

 

Kurze wissenschaftliche Einordnung

Solar Radiation Modification umfasst technische Ansätze wie Marine Cloud Brightening, bei denen Sonnenlicht gezielt reflektiert werden soll, um die globale Erwärmung kurzfristig zu bremsen. Das von Forschenden der University of Washington getestete Verfahren gehört zu dieser Kategorie.

Der aktuelle Forschungsstand ist jedoch sehr früh: Die meisten Erkenntnisse stammen aus Modellen, belastbare Langzeit-Feldstudien fehlen. Zwar zeigen Simulationen, dass SRM Temperaturen senken könnte, gleichzeitig weisen sie auf erhebliche Risiken hin – darunter veränderte Niederschlagsmuster, mögliche Schäden an Ökosystemen und politische Konflikte.

Viele Wissenschaftler:innen warnen zudem vor einem „Moral Hazard“: Technische Notlösungen könnten den Druck mindern, Treibhausgasemissionen konsequent zu reduzieren. Der Stopp des Experiments in Alameda zeigt exemplarisch, wie sensibel diese Forschung gesellschaftlich ist und wie wichtig Transparenz und demokratische Beteiligung bleiben.

Der derzeitige wissenschaftliche Konsens lautet: SRM ist keine Lösung für den Klimawandel. Falls überhaupt, kann es nur als hypothetische letzte Notmaßnahme diskutiert werden. Priorität haben weiterhin Emissionsreduktion, der Ausbau erneuerbarer Energien, der Schutz natürlicher Kohlenstoffsenken und Klimagerechtigkeit.