Geoengineering – wie ein Klimaversuch in Kalifornien scheiterte

Geoengineering – wie ein Klimaversuch in Kalifornien scheiterte

Ein Experiment mit großer Vision

Im Frühjahr 2024 starteten Forschende der University of Washington ein Feldexperiment zur sogenannten Marine Cloud Brightening (MCB) – einer Form von Solar Radiation Modification. Die Grundidee: winzige Partikel aus Meerwasser werden in die Luft gesprüht, um Wolken aufzuhellen und so einen Teil der Sonneneinstrahlung ins All zurückzuwerfen. Theoretisch könnte dieses Verfahren helfen, die Erderwärmung kurzfristig zu dämpfen.

Das Projekt war Teil des UW Marine Cloud Brightening Program und wurde gemeinsam mit SRI International durchgeführt. Zum Einsatz kam ein spezielles Aerosol-Sprühgerät, das auf dem stillgelegten Flugzeugträger USS Hornet installiert wurde, der in Alameda liegt.

Ziel des Versuchs war nicht, das Klima zu beeinflussen, sondern grundlegende physikalische Prozesse zu untersuchen: Wie groß sind die erzeugten Partikel? Wie verteilen sie sich? Und wie gut lassen sich solche Effekte mit Klimamodellen vorhersagen?

 

Stopp wegen fehlende Transparenz

Doch der Test endete abrupt. Die Stadt Alameda war im Vorfeld nicht informiert worden und erfuhr erst über Medienberichte von dem Experiment. Nach kurzer Zeit untersagten die Behörden den weiteren Betrieb der Sprühanlage. Wenige Wochen später beschloss der Stadtrat einstimmig, das Projekt am Standort dauerhaft zu verbieten.

Als Gründe nannte die Stadt unter anderem fehlende Genehmigungen, mangelnde Transparenz und die Sorge vor möglichen Umwelt- und Gesundheitsfolgen. Der Fall machte deutlich: Selbst kleine wissenschaftliche Feldtests im Bereich Geoengineering stoßen schnell an gesellschaftliche Grenzen, wenn Öffentlichkeit und lokale Politik nicht eingebunden sind.

 

Was ist Solar Radiation Modification überhaupt?

Solar Radiation Modification (SRM) bezeichnet eine Gruppe technischer Ansätze, mit denen die Erde künstlich gekühlt werden soll, indem Sonnenlicht reflektiert wird. Neben Marine Cloud Brightening gehören dazu auch Methoden wie das Einbringen von Aerosolen in die Stratosphäre oder das gezielte Verändern bestimmter Wolkentypen.

Allen Verfahren ist gemeinsam: Sie bekämpfen nicht die Ursache des Klimawandels – den Ausstoß von Treibhausgasen –, sondern greifen direkt in den Strahlungshaushalt des Planeten ein.

 

Zwischen Hoffnung und Hochrisiko-Technologie

Befürworter argumentieren, SRM könnte im Ernstfall als kurzfristige Notbremse dienen, falls gefährliche Kipppunkte im Klimasystem näher rücken. Die Effekte wären potenziell schnell wirksam und teilweise reversibel.

Kritiker:innen warnen hingegen vor massiven Risiken:

mögliche Verschiebungen von Niederschlagsmustern und Monsunen
schwer abschätzbare Folgen für Ökosysteme, besonders in den Ozeanen
geopolitische Konflikte, falls einzelne Staaten oder Akteure eigenmächtig eingreifen
ein sogenannter Moral Hazard: Die Aussicht auf technische Lösungen könnte den Druck mindern, Emissionen wirklich zu senken

Hinzu kommt ein zentrales Problem: Es existiert bislang kein internationaler Rechtsrahmen, der Forschung oder mögliche Anwendungen solcher Technologien verbindlich regelt.

 

Kurze wissenschaftliche Einordnung

Solar Radiation Modification umfasst technische Ansätze wie Marine Cloud Brightening, bei denen Sonnenlicht gezielt reflektiert werden soll, um die globale Erwärmung kurzfristig zu bremsen. Das von Forschenden der University of Washington getestete Verfahren gehört zu dieser Kategorie.

Der aktuelle Forschungsstand ist jedoch sehr früh: Die meisten Erkenntnisse stammen aus Modellen, belastbare Langzeit-Feldstudien fehlen. Zwar zeigen Simulationen, dass SRM Temperaturen senken könnte, gleichzeitig weisen sie auf erhebliche Risiken hin – darunter veränderte Niederschlagsmuster, mögliche Schäden an Ökosystemen und politische Konflikte.

Viele Wissenschaftler:innen warnen zudem vor einem „Moral Hazard“: Technische Notlösungen könnten den Druck mindern, Treibhausgasemissionen konsequent zu reduzieren. Der Stopp des Experiments in Alameda zeigt exemplarisch, wie sensibel diese Forschung gesellschaftlich ist und wie wichtig Transparenz und demokratische Beteiligung bleiben.

Der derzeitige wissenschaftliche Konsens lautet: SRM ist keine Lösung für den Klimawandel. Falls überhaupt, kann es nur als hypothetische letzte Notmaßnahme diskutiert werden. Priorität haben weiterhin Emissionsreduktion, der Ausbau erneuerbarer Energien, der Schutz natürlicher Kohlenstoffsenken und Klimagerechtigkeit.

 

Welttag der Feuchtgebiete: Warum deren Schutz so essentiell ist

Welttag der Feuchtgebiete: Warum deren Schutz so essentiell ist

Moore, Flussauen, Mangroven oder das Wattemeer: Feuchtgebiete sind wichtige Verbündete im Kampf gegen den Klimawandel und Katastrophenrisiken. Sie schützen uns vor Überschwemmungen, Verschmutzung und verbessern die Wasserqualität. In den weltweiten Feuchtgebieten leben so viele Tier- und Pflanzenarten wie in kaum einem anderen Lebensraum. Doch mehr als ein Drittel dieser Lebensräume ist in den letzten 50 Jahren weltweit verloren gegangen – schneller als jeder andere Lebensraum. Mit ihnen verschwinden auch viele Tierarten.

 

Hier wichtige Keyfacts rund um die Klimabedeutung von „Wetlands“:

 

Sie beheimaten rund 40% der weltweiten Artenvielfalt und sind somit unabdingbar für den Artenschutz.
Von Feuchtgebieten abhängige Arten wie Fische, Wasservögel und Schildkröten sind stark rückläufig, wobei 25 % vom Aussterben bedroht sind. Seit 1970 sind 81 % der Populationen von Arten in Binnenfeuchtgebieten und 36 % der Arten in Küsten- und Meeresgebieten zurückgegangen.
Verschiedene Arten von Feuchtgebieten wirken vor, während und nach Katastrophen auf unterschiedliche Weise, um deren Auswirkungen zu mildern und den Gemeinden zu helfen, sich wieder zu erholen.
Blaue Kohlenstoffökosysteme – insbesondere Küstenfeuchtgebiete wie Mangroven,
Seegraswiesen und Salzwiesen – nehmen kontinuierlich Kohlendioxid aus der Atmosphäre auf
und speichern große Mengen davon in Böden und Sedimenten. Außerdem schützen sie die Küsten vor dem Anstieg des Meeresspiegels und Sturmfluten.
Traditionelle Brandrodungstechniken, saisonale Wanderungen und Landnutzungsmuster sind
Beispiele für klimafreundliche Praktiken, die tief in kulturellem Wissen verwurzelt sind.
Praktiken wie Beschneiden, Jäten, Nachsäen und traditionelle Brandrodung haben
dazu beigetragen, Feuchtgebiete zu erhalten, den Zugang zu kulturell wichtigen Pflanzenarten zu sichern und großflächige Brände zu verhindern.
Obwohl Moore nur rund 3 % der weltweiten Landfläche bedecken, speichern sie mehr Kohlenstoff als alle Wälder der Erde zusammen. Möglich wird das durch den dauerhaft nassen Boden
Allein die Kosten für die Wiederherstellung von Mooren und Mangroven werden bis 2050 auf 316 Milliarden US-Dollar geschätzt, für Küstenfeuchtgebiete auf 27 bis 37 Milliarden US-Dollar jährlich.
Die Wiederherstellung und der Schutz von Blue-Carbon-Ökosystemen ist ein wirkungsvoller, naturbasierter Weg zur Eindämmung des Klimawandels und zur Anpassung an dessen Folgen.

 

Warum Moore echte Klimahelden sind

Definition von Feuchtgebieten (Wetlands)

Mit Feuchtgebieten sind all jene Landflächen gemeint, die dauerhaft oder saisonal mit Wasser gesättigt oder überflutet sind. Dazu zählen

 

A) Binnenland-Feuchtgebiete

Sümpfe, Seen, Flüsse, Auen, Moore und Sümpfe

 

B) Küstenfeuchtgebiete

Salzwassersümpfe, Flussmündungen, Mangroven, Seegras- uns Salzwiesen, Lagunen und Korallenriffe

 

C) Künstliche Feuchtgebiete

Fischteiche, Reisfelder und Salzpfannen

 

„Feuchtgebiete sind wahre Lebensspender – für Tiere, für das Klima und letztlich für uns Menschen“, erklärt Volker Homes, Geschäftsführer des Verbands der Zoologischen Gärten (VdZ). „Wenn wir sie verlieren, verlieren wir mehr als nur Landschaften: Es ist der Verlust von wertvollen Lebensräumen. In den wissenschaftlich geführten Zoos des VdZ übernehmen wir Verantwortung mit gezielten Erhaltungszuchtprogrammen, Bildung, Forschung und Schutzprojekten. Ob die bedrohte Europäische Sumpfschildkröte in unserer Region oder die Riesenotter in Südamerika – wo es gelingt, Arten zu schützen und wieder anzusiedeln, wächst auch die Hoffnung, dass Feuchtgebiete erhalten bleiben und neues Leben entstehen kann.“

 

Wie Zoos bedrohte Arten retten

Genau hier setzen moderne Zoos an: Sie züchten bedrohte Tierarten, erforschen ihre Lebensweise und bereiten ihre Rückkehr in die Natur vor. Die Europäische Sumpfschildkröte etwa war in vielen Regionen Deutschlands nahezu ausgestorben. Heute züchten Zoos diese einzige heimische Schildkrötenart erfolgreich nach und setzen die Jungtiere in wiederhergestellten Feuchtgebieten aus – gemeinsam mit Naturschutzbehörden und Umweltverbänden.

Auch die vom Aussterben bedrohte Gelbbauchunke profitiert von dieser Zusammenarbeit. Die kleine Amphibie braucht flache Tümpel und offene Böden – Lebensräume, die immer seltener werden. So ergeht es auch dem Großen Brachvogel, einem Watvogel mit langem, gebogenem Schnabel, denn er ist auf feuchte Wiesen und Moore angewiesen. Sein Bestand ist in den letzten Jahrzehnten stark zurückgegangen. Beide Arten werden in Zoos nachgezüchtet. Auch die stark gefährdeten argentinischen Riesenotter wurden ausgewildert und wissenschaftlich begleittet.

 

EAZA-Kampagne „Wetlands for Life“

Der Welt-Feuchtgebiete-Tag erinnert an die Unterzeichnung der Ramsar-Konvention, die 2026 ihr 55-jähriges Bestehen feiert. Passend dazu startet der Europäische Zooverband EAZA seine zweijährige Kampagne „Wetlands for Life“, die von deutschsprachigen Zoos unterstützt wird. Die Flamingos sind die Botschafter der Kampagne. Die eleganten, rosafarbenen Vögel brauchen flache Salzseen und Lagunen zum Brüten und Fressen. Wenn diese Lebensräume verschwinden, geraten die Populationen in Gefahr.

Fast Hälfte getesteter Haaröle enthält problematische Chemikalien

Fast Hälfte getesteter Haaröle enthält problematische Chemikalien

Haaröle versprechen glänzendes Haar bis in die Spitzen. Doch wie bedenkenlos lassen sich diese tatsächlich verwenden? Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) hat gemeinsam mit vier europäischen Verbraucherschutzorganisationen Haaröle unter die Lupe genommen. Fast die Hälfte der 40 in Österreich erhältlichen Produkte enthält problematische Chemikalien, etwa potenziell hormonell wirksame oder umweltpersistente Substanzen. 

 

Die Untersuchung wurde gemeinsam mit Verbraucherorganisationen aus Dänemark, Norwegen, der Tschechischen Republik und Slowenien durchgeführt. Die Bewertung der Produkte basiert auf der vom Hersteller angegebenen Liste der Inhaltsstoffe und erfolgt nach dem Ampelprinzip. Keines der untersuchten Haaröle ist frei von problematischen Substanzen: 22 Produkte erhielten eine „gelbe“, 18 eine „rote“ Bewertung.

Allergene Duftstoffe

Immerhin 22 Haaröle wurden mit „Gelb“ bewertet, darunter sechs von sieben getesteten Naturkosmetik-Produkten. „Damit wurden jene Produkte eingestuft, die zwar frei von vielen kritischen Stoffen sind, aber einzelne Inhaltsstoffe enthalten, auf die sensible oder umweltbewusste Nutzer:innen achten sollten“, erklärt VKI-Chemikalienexpertin Birgit Schiller. „Dazu zählen etwa Duftstoffe wie Limonene, die Allergien auslösen oder auch umweltschädlich wirken können.“

Im Durchschnitt enthalten die getesteten Produkte 4,6 potenzielle allergene Duftstoffe. Einen unrühmlichen Spitzenplatz nimmt das „Haaröl Plex Boost“ von Aveo Professionals mit elf potenziell allergenen Duftstoffen ein. Knapp dahinter folgt das „Gliss tägliches Öl-Elixir“ von Schwarzkopf mit zehn problematischen Duftstoffen. Letzteres erhielt sogar eine „rote Bewertung“, da in dem Öl zusätzlich ein potenziell hormonell wirksamer Stoff enthalten ist.

 

Problematische Chemikalien

18 Haaröle erhielten die rote Karte, da sie problematische Substanzen wie potenziell hormonell wirksame oder schwer abbaubare Stoffe enthalten. Bis auf eine Ausnahme ist bei diesen Produkten der Hauptinhaltsstoff synthetischer Natur. Die Spannbreite reicht hier von günstigen Produkten (Balea, Langhaarmädchen) bis hin zu hochpreisigen Marken (Sol de Janeiro, Aveda).

„Grundsätzlich sind die in den Ölen enthaltenen Stoffe zwar gesetzlich zugelassen und das einzelne Produkt ist nicht unmittelbar gefährlich“, erläutert Birgit Schiller. „Dennoch tragen sie zu einer Gesamtbelastung durch problematische Chemikalien bei. Hinzu kommt: Einige dieser Stoffe – die Siloxane D5 und D6 – werden ab Juni 2026 in EU-Kosmetika weitgehend verboten sein.“

D5 und D6 wurden von der EU-Chemikalienbehörde (ECHA) als „besonders besorgniserregend“ eingestuft. Die untersuchten Haaröle von Aussie, Kevin.Murphy, Langhaarmädchen, Pantene Pro-V, Sebastian Professionals und Wella Professionals enthalten diese Substanzen.

 

Viel Synthetik wenig Pflanzenöl

„Die Untersuchung zeigt, dass sich unter dem Begriff ,Haaröl‘ am Markt überwiegend synthetische Produkte finden. Synthetische Lösungsmittel und Silikone werden häufig eingesetzt, teilweise ergänzt durch Pflanzenöle“, so Birgit Schiller. „Nur wenige Haaröle bestehen tatsächlich aus einer Mischung von pflanzlichen Ölen.“ Besonders dreist ist die Aufmachung des untersuchten Haaröls von „Hairlust“: Hier wird mit dem Zusatz „organic“ geworben, obwohl das Produkt hauptsächlich aus Silikonen und synthetischem Öl besteht.

Birgit Schiller empfiehlt, einen Blick auf die Inhaltsstoffliste zu werfen. „Bei Kosmetika ist es ähnlich wie bei verpackten Lebensmitteln: Je höher der Anteil einer Substanz, desto weiter oben muss sie gelistet sein.“ Findet sich an erster Stelle ein Silikon, wie Cyclopentasiloxan, besteht das Produkt oft vornehmlich aus künstlichen Inhaltsstoffen.

Der abschließende Tipp der Expertin: „Für die Pflege trockener Haarspitzen oder Locken eignen sich auch pure Öle wie Kokosöl oder Sonnenblumenkernöl sehr gut – dafür braucht es keine ausgeklügelte Mischung. Und nicht zuletzt: Geschädigtes Haar kann durch ein Haaröl zudem ohnehin nicht repariert werden.“

 

Link

Ausführliche Informationen zum Thema gibt es ab 29.01.2026 in der Februar-Ausgabe der Zeitschrift KONSUMENT und auf www.vki.at/haaroel-2026.

Klimawandel macht Sommer trockener und Winter feuchter

Klimawandel macht Sommer trockener und Winter feuchter

Es ist davon auszugehen, dass die Folgen des Klimawandels zu einer saisonalen Verschiebung der Niederschläge von den Sommer- hin zu den Wintermonaten führen. Zu diesem vorläufigen Ergebnis kommt eine Untersuchung, die im Rahmen des Forschungsprojekts „Wasser im Klimawandel – eine Studie über die Auswirkungen“ durch Österreichs führende Forschungseinrichtungen erstellt wurde.  Insgesamt steht uns dadurch weniger Wasser zur Verfügung, was zu neuen Herausforderungen im Wassermanagement führt.

 

Die neue Zukunftsabschätzung basiert auf einer Analyse, die die GeoSphere Austria aktuell im Rahmen der gemeinsamen Studie mit der TU Wien, der Universität Graz und der Universität für Bodenkultur durchführt. Die vorläufigen Daten zeigen eine saisonale Verschiebung des Niederschlags.

„Der Klimawandel wirkt sich auch auf die Wasserverfügbarkeit aus. Die Studie liefert die gemeinsame Datengrundlage, damit wir Risiken früher erkennen und Maßnahmen rechtzeitig setzen können.“

Umwelt- und Wasserminister Norbert Totschnig

Demnach soll der Sommerniederschlag bis zur Mitte des Jahrhunderts im Vergleich zu früheren Berechnungen voraussichtlich zwischen fünf und 15 Prozent abnehmen. Gleichzeitig verschiebt sich der Niederschlag in die kältere Jahreszeit: In der kühleren Jahreshälfte zeichnet sich ein Niederschlagsplus von fünf bis zehn Prozent ab.

Im Jahresmittel bleibt die Niederschlagsmenge weitgehend gleich. Durch den weiterhin robust anhaltenden Temperaturanstieg und der damit verbundenen steigenden Verdunstung der kommenden Dekaden wird jedoch insgesamt weniger Wasser im Boden zur Verfügung stehen.

„Die neuen globalen Klimaszenarien zeigen für die nächsten Jahrzehnte mehr Winterregen im Flachland und mehr Schnee im Hochgebirge, wobei die Schneedecken tendenziell kürzer liegen bleiben. Im Sommer wird es hingegen eher trockener das wird spürbare Auswirkungen haben“

Dr. Klaus Haslinger, Hydroklimatologe bei GeoSphere Austria

 

Er ist gemeinsam mit Prof. Günter Blöschl (TU Wien) für die wissenschaftliche Leitung von „Wasser im Klimawandel – eine Studie über die Auswirkungen“ verantwortlich, der umfassendsten Wasserstudie Österreichs in den vergangenen Jahren, die derzeit im Auftrag des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft (BMLUK) durchgeführt wird.

 

Herausforderung durch geringere Wasserverfügbarkeit

Insbesondere in vulnerablen Gebieten im Flachland wird das Wassermanagement aufgrund der saisonalen Niederschlagsverschiebung herausfordernder werden. Trockenere Sommer erhöhen den Bewässerungsbedarf, während gleichzeitig weniger Wasser zur Verfügung steht.

Das betrifft insbesondere Regionen in Ostösterreich, in denen weniger Niederschlag fällt als im Westen oder in den Bergen. Regionen wie der Seewinkel, das Weinviertel oder das nördliche Waldviertel sind trockener und auch wärmer als die niederschlagsreichen Gebiete in Westösterreich. Dadurch kommt es auch zu mehr Wasserentzug durch Verdunstung.

 

„Die Aufgabe, die Ressource Wasser vom Überschuss in der kalten Jahreszeit zu den Mangelzeiten im Sommer zu verteilen, wird künftig an Bedeutung gewinnen.“

Dr. Klaus Haslinger

 

Intensivere Sommerregen

Ein weiterer Trend, der bereits zweifelsfrei aus Messdaten abgeleitet wurde, ist eine höhere Intensität der Niederschläge. Durch den Klimawandel steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Regen insbesondere in der warmen Jahreszeit in kurzer Zeit sehr intensiv fällt – etwa bei Sommergewitterlagen. Auch wenn im Jahresmittel gleich viel Wasser fällt, verschärft die höhere Intensität das Risiko für lokale Überflutungen.

Im Gegensatz zu solchen lokalen Ereignissen ist bei großräumigen Überschwemmungen durch Dauerregen der Zusammenhang zum Klimawandel bisher noch nicht eindeutig nachgewiesen worden. Der Grund: Noch konnte nicht hinreichend geklärt werden, wie steigende Temperaturen das Entstehen von Großwetterlagen wie etwa Adria-Tiefs beeinflussen. Hinzu kommen komplexe hydrologische Prozesse, die die Entstehung und Ausprägung großräumiger Überschwemmungen zusätzlich beeinflussen.

 

Wasserstudie: Endbericht im Herbst

Die Studie “Wasser im Klimawandel – eine Studie über die Auswirkungen” wird im Laufe des Jahres weitere aktuelle Informationen liefern, etwa zur Grundwasserentwicklung in verschiedenen Regionen, Hoch- und Niederwasserszenarien, Wassertemperaturen, Verdunstung sowie Schneeentwicklung und -schmelze. Der Endbericht erscheint im Herbst 2026 und wird detaillierte Prognosen bis 2100 für Österreich enthalten. Die Studie bildet die wissenschaftliche Basis für Planung in Wasserwirtschaft, Landwirtschaft und Raumplanung.

Weiterführende Informationen finden Sie auf wasseraktiv.at/wasser-im-klimawandel

Wenn Nahrung krank macht. Teil1: Der Apfel

Wenn Nahrung krank macht. Teil1: Der Apfel

Zu einem nachhaltigen Lebenstil gehört eine nachhaltige Ernährung. Wir wissen, dass hochverarbeitete Produkte und Softdrinks für unseren Körper schädlich sein können. Doch was, wenn uns auch heutige Grundnahrungsmittel krank machen, anstatt uns zu nähren? Wir wollen uns in einer Themenreihe mit häufigen Lebensmitteln auseinandersetzen und diese näher beleuchten.

Der Apfel gilt als Symbol gesunder Ernährung: ballaststoffreich, vitaminhaltig und praktisch für unterwegs. Gleichzeitig zählt er in Europa zu den Kulturobstsorten mit dem intensivsten Pflanzenschutz. Kaum ein anderes Obst wird so regelmäßig konsumiert – meist roh und mit Schale. Damit eignet sich der Apfel besonders gut, um zu betrachten, welche Stoffe über alltägliche Lebensmittel in unseren Körper gelangen können.

 

Warum gerade der Apfel?

Äpfel werden großflächig angebaut und sind anfällig für Pilzkrankheiten wie Schorf oder Mehltau, für Insektenbefall (z. B. Apfelwickler) sowie für Lagerfäulnis. Um optisch einwandfreie Ware zu erzeugen und Ernteverluste gering zu halten, kommen im konventionellen Anbau über die gesamte Saison hinweg zahlreiche Pflanzenschutzmaßnahmen zum Einsatz.

Ein entscheidender Unterschied zur Kartoffel: Äpfel werden in der Regel ungeschält gegessen. Rückstände auf der Schale gelangen dadurch direkter in den Körper.

Pflanzenschutz im konventionellen Apfelanbau

Während einer Vegetationsperiode können verschiedene Mittel eingesetzt werden, darunter:
• Fungizide gegen Pilzkrankheiten
• Insektizide gegen Schädlinge
• Herbizide im Baumstreifen
• Wachstumsregulatoren
• Nacherntebehandlungen gegen Lagerfäule

Je nach Witterung und Krankheitsdruck sind 20 bis 30 Anwendungen pro Saison keine Seltenheit, in manchen Jahren auch mehr.

Diese Zahlen beziehen sich auf Feldmaßnahmen, nicht auf die tatsächliche Rückstandsmenge im Endprodukt. Die Wirkstoffe werden zu unterschiedlichen Zeitpunkten eingesetzt und bauen sich teilweise ab. Dennoch können am fertigen Apfel mehrere Substanzen gleichzeitig Konzentrationen nachweisbar sein, wie eine Ende Januar 2026 erschienene Studie zeigt.

 

Neueste Studie zeigt massive Pestizid-Belastung bei europäischen Äpfeln

In Europa konventionell angebaute Äpfel sind häufig mit Gemischen an Pestizidrückständen belastet. Das ist das Ergebnis einer Ende Januar 2026 vorgestellten Untersuchung von 59 Apfelproben aus 13 europäischen Ländern durch das Pestizid Aktions-Netzwerk (PAN) Europe, PAN Germany und weiteren Partnerorganisationen.

Die Ergebnisse im Überblick:

Nur 7 % der Proben zeigten keine Pestizidrückstände.
Zwei Drittel (64 %) der Proben enthielten mindestens ein PFAS-Pestizid und
ein Drittel (36 %) der getesteten Äpfel ein neurotoxisches Pestizid.
Sehr bedenklich: Würden die belasteten Äpfel als Gläschennahrung für Babys verarbeitet, wären diese in der EU nicht verkehrsfähig.

 

Deutsche Proben: In allen fünf deutschen Apfelproben ließen sich mindestens zwei Pestizidrückstände nachweisen. Gefunden wurden unter anderem das sehr giftige und wahrscheinlich krebserregende Fungizid Captan, das bienen- und neurotoxische Neonikotinoid Acetamiprid, und das PFAS-Pestizid Flonicamid.  Die höchste gemessene Gesamtpestizidmenge wurde mit 6,48 mg/kg in einem deutschen Apfel aus dem “Alten Land”, einem elbnahen Anbaugebiet südlich von Hamburg, nachgewiesen.

 

Bereits 2024 berichteten wir über die besorgniserregende Zunahme an Ewigkeitschemikalien in europäischen Obst- und Gemüseproben, wobei die Zunahme besonders in österreichischen Lebensmittelproben auffällig war:

EU-Pestizid-Monitoring: Lebensmittel zunehmend mit Ewigkeits-Chemikalien (PFAS) belastet

 

Der Cocktail-Effekt als offene Frage

Die gesetzlichen Höchstgehalte in der EU werden überwiegend für einzelne Wirkstoffe festgelegt. Was bislang nur begrenzt berücksichtigt wird, ist das Zusammenwirken mehrerer Rückstände im Körper. “Cocktails” an Pestiziden fanden sich in 85 % der von PAN untersuchten Äpfel. Obwohl die Gesetzgebung es vorschreibt, wird in der EU die Toxizität solcher Gemische noch immer nicht ausreichend bei der Festlegung von Schutzstandards für Verbraucher:innen berücksichtigt, kritisieren die Nichtregierungsorganisationen in dem Report.

Der sogenannte Cocktail-Effekt beschreibt mögliche additive oder sich gegenseitig verstärkende Wirkungen verschiedener Chemikalien. Auch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit weist darauf hin, dass kombinierte Effekte wissenschaftlich noch nicht vollständig geklärt sind. Erste Ansätze zur Gruppenbewertung existieren, stehen aber noch am Anfang.

Gergely Simon, Campaigner bei PAN Europe hebt hervor: „Eines der auffälligsten Ergebnisse ist, dass 85 % der getesteten Äpfel Rückstände mehrerer Pestizide enthielten. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit wurde vor 20 Jahren beauftragt, eine Methodik zur Regulierung der Cocktail-Effekte von Pestiziden zu entwickeln, aber sie kommt dieser gesetzlichen Verpflichtung immer noch nicht nach.”

HIER kann man den Bericht in englischer Sprache downloaden

 

Weitere mögliche Belastungsquellen

Neben Pflanzenschutzmitteln können bei Äpfeln auch andere Stoffe eine Rolle spielen:
• Schwermetalle wie Cadmium aus belasteten Böden
• Rückstände aus Wachsen oder Nacherntebehandlungen
• Migration aus Verpackungsmaterialien
• natürliche Inhaltsstoffe

 

Bio-Äpfel im Vergleich

Im ökologischen Anbau sind synthetische Pestizide und chemische Nacherntebehandlungen verboten. Zwar werden auch im Bio-Anbau Pflanzenschutzmittel eingesetzt (z. B. Schwefel oder Kupfer), die Vielfalt möglicher Rückstände ist jedoch deutlich geringer.

Für Menschen, die ihre Gesamtbelastung reduzieren möchten, gehören Äpfel zu den Obstsorten, bei denen Bio besonders sinnvoll ist – vor allem wegen des Rohverzehrs mit Schale.

Was Verbraucherinnen und Verbraucher tun können:

Eine vollständige Vermeidung aller Rückstände ist kaum realistisch. Sinnvoll ist ein pragmatischer Umgang:
• Äpfel gründlich waschen und ggf. abbürsten
• bei unklarer Herkunft schälen, (allerdings stecken in der Schale prinzipiell viele Nährstoffe)
• auf regionale und saisonale Ware achten
• Bio bevorzugen
• insgesamt abwechslungsreich essen, um einseitige Belastungen zu vermeiden

 

Vereinfachungsvorschlag der EU-Kommission zur Lebens- und Futtermittelsicherheit

Dieser sieht vor, das Pestizidrecht in wichtigen Punkten zu deregulieren. So sollen Pestizidgenehmigungen zukünftig zeitlich unbegrenzt erfolgen und damit die Verpflichtung zur periodischen Neubewertung der Toxizität der Wirkstoffe unter Berücksichtigung neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse wegfallen. Zudem soll die Aufbrauchfrist nicht mehr zulassungsfähiger Mittel ausgedehnt werden und in Ausnahmen verbotene hormonell schädigende Pestizide weiter eingesetzt werden dürfen.

Der Bericht macht deutlich, dass eine strenge Umsetzung der Gesetze erforderlich ist, um uns Menschen und insbesondere unsere Kinder vor Pestizidbelastungen zu schützen. Was wir nicht benötigen, ist eine Schwächung dieses Schutzes, wie er gerade von der EU Kommission in ihrem Omnibus-Vorschlag zur Vereinfachung der Lebensmittel- und Futtermittelsicherheit vorangetrieben wird. Dieser Vorstoß ist mit den Grundsätzen der EU und den Wünschen der Bevölkerung nicht vereinbar”, meint Pestizidexpertin Smolka von PAN Germany.

 

Unser pro.earth.Fazit:

Wuchsen Obstbäume früher in Streuobstwiesen wild drucheinander, wird heute großflächig eine Sorte angepflanzt. Jede Monokultur bringt große Probleme mit sich, sei es Mais, Weizen, Fichten oder Äpfel. Die Industrialisierung unserer Lebensmittelproduktion zeigt an einer unserer Lieblingsobstsorten die damit verbundenen Schattenseiten. Wir können nun zwar das ganze Jahr über perfekt glänzende Äpfel ohne jegliche Blessuren kaufen, müssen die allerdings mit Einlagerungen von Giftsstoffen in unseren Körpern bezahlen. Wie sich dies auf unsere Gesundheit auswirken wird, können wir wahrscheinlich in den nächsten Jahrzehnten ablesen. Viele warnen heute bereits vor steigenden Krebsraten und anderen gesundheitlichen Folgen, die einen eigenen Artikel verdienen. Wollen wir uns nicht weiter krankmachen, brauchen wir dringend ein Umdenken in der modernen Landwirtschaft hin zu einem regenerativen System.

Warum Europas Landwirtschaft 2025 neu denken muss

Neues Forschungszentrum für alpine Waldwirtschaft

Neues Forschungszentrum für alpine Waldwirtschaft

Schwindende Gletscher, steigende Schneefallgrenzen und auftauender Permafrost: Der Alpenraum ist besonders vom Klimawandel betroffen, denn die Erwärmungsraten hier sind doppelt so hoch wie im globalen Mittel – mit erheblichen Auswirkungen auf die Wälder. Das neu gegründete Forschungszentrum bündelt das Know-How mehrerer Wissenschaftler:innen, um ein besseres ökologisches und soziales Verständnis des alpinen Bergwald-Systems zu erlangen.

 

Insbesondere Schutzwälder, also Waldflächen, die Menschen vor Naturgefahren schützen und damit speziellen Bewirtschaftungs- und Pflegepflichten unterliegen, stehen im Fokus der Forschungsaktivitäten.

Ob und inwieweit die Schutzwälder in den Alpen diese Funktion künftig noch ausüben können, ist bislang unklar. Zugleich steigt die Wahrscheinlichkeit, dass es zu Schneelawinen, Murgängen und Steinschlag kommt, also eben solchen Ereignissen, deren Auswirkungen Schutzwälder abmildern.

In den kommenden viereinhalb Jahren wird das Zentrum für alpine Waldwirtschaft der Techischen Universität München (TUM) mit der Förderung durch die Eva Mayr-Stihl Stiftung erforschen, wie sich diese Entwicklungen auf die Alpenwälder auswirken und wie man diesen Wandel aktiv gestalten kann.

 

Robert Mayr, Stifter und Vorstandsvorsitzender der Eva Mayr-Stihl Stiftung, begründet das Engagement: „Meine Kindheit in Oberbayern habe ich zum größten Teil draußen in der Natur verbracht. Auch später bestand mein Urlaub immer aus Bergwanderungen und Skifahren. Ich sehe die Veränderungen durch den Klimawandel besonders bei Bergwäldern mit großer Sorge.“

 

Erfassung eines möglichst umfassenden Bildes

Fünf TUM-Professorinnen und -Professoren der Klima- und Forstwissenschaften bündeln im Zentrum ihre Expertise, um ein möglichst umfassendes Bild der aktuellen und zukünftigen Situation zu ermitteln.

Annette Menzel, Professorin für Ökoklimatologie an der TUM und Leiterin des Zentrums, erklärt: „Wir arbeiten intensiv daran, ein besseres ökologisches und soziales Verständnis des alpinen Bergwald-Systems zu erlangen.“

„Ein wichtiger Aspekt unserer Arbeit wird darin liegen, den vielschichtigen Ansprüchen gerecht zu werden, die die Gesellschaft an ihre Wälder stellt. Wälder dienen schließlich auch der Naherholung, sind Quelle eines wichtigen nachwachsenden Rohstoffs und Lebensraum für Tiere“, sagt Thomas Knoke. Die Forschenden werden deshalb in fünf Teilprojekten arbeiten, die Forschungslücken in den Bereichen Baumwachstum, Wald- und Ökosystemmanagement sowie der gesellschaftlichen Akzeptanz schließen sollen.

 

Anpassung der Waldbewirtschaftung dringend notwendig

„Mit dem Zentrum für alpine Waldwirtschaft stärken wir einen Forschungsbereich, der für die Zukunft der Alpenregion von großer Bedeutung ist. Unsere Schutzwälder erfüllen wichtige Funktionen für Mensch und Natur – ihre Bewirtschaftung angesichts des Klimawandels anzupassen, ist dringend geboten. Ich freue mich deshalb sehr, dass exzellente Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der TUM ihre Expertise im Zentrum zusammenführen, um Forschungslücken zu schließen“, sagt Prof. Martin Klingenspor, Dekan der TUM School of Life Sciences.

Die fünf Teilprojekte im Überblick:
Teilprojekt 1: Ökoklimatologie (Prof. Annette Menzel)
Teilprojekt 2: Baumwachstum und Holzphysiologie (Prof. Richard L. Peters)
Teilprojekt 3: Schutzfunktion bei unterschiedlicher Bewirtschaftung (Prof. Rupert Seidl)
Teilprojekt 4: Erdbeobachtung für Ökosystemmanagement (Prof. Cornelius Senf)
Teilprojekt 5: Nachfrage nach Versicherungsleistungen des Gebirgswaldes und Zielkonflikten mit anderen Ökosystemleistungen (Prof. Thomas Knoke)

 

Starke Verringerung der Methanemissionen durch Kalkstickstoff

Starke Verringerung der Methanemissionen durch Kalkstickstoff

2023 ging knapp ein Fünftel der Methanemissionen aus der deutschen Nutztierhaltung auf das Konto der Lagerung und Ausbringung von Wirtschaftsdüngern, also Gülle und Gärresten (UBA 2025). Die vorhandenen technischen Ansätze, diese Emissionen zu mindern, sind oft mit hohem baulichem und finanziellem Aufwand verbunden, wie die gasdichte Abdeckung von Güllelagern. Im Projekt EMeRGE nahmen die Forschenden mit dem Kalkstickstoff-Additiv gezielt ein technisch einfaches Verfahren in den Blick, das sich praktisch in jedem Betrieb umsetzen lässt. Damit konnten sie einen fast vollständigen Rückgang der Methanemissionen durch das Additiv nachweisen.

 

Neben der Verminderung der Methanemissionen sollte im Projekt auch der Ertrag aus Biogasproduktion und darüber hinaus die Produktion qualitativ hochwertiger und umweltfreundlicher organischer Dünger für die Landwirtschaft durch den Einsatz von Kalkstickstoff untersucht werden.

 

Verringerung der Methan- und Lachgasemissionen

Im Technikumsmaßstab konnte das Forscherteam bei sommerlichen Temperaturen einen fast vollständigen Rückgang der Methanemissionen durch das Additiv nachweisen: Rinder- oder Schweinegülle emittierten bis zu 97 Prozent weniger Methan als herkömmlich gelagerte. Im Winter und bei Gärresten fiel der Rückgang zwar geringer aus oder benötigte höhere Kalkstickstoffzugaben, war aber immer noch erheblich. Ähnliche Ergebnisse erzielten realitätsnahe Versuche im 1.000-Liter-Maßstab.

Die Lachgas(N2O)emissionen ließen sich durch Kalkstickstoff vor allem während der Lagerung senken. Bei der Ausbringung additivierter Wirtschaftsdünger auf dem Acker gingen die N2O- Emissionen hingegen nicht signifikant zurück.

 

Höhere Methanerträge für Biogasproduktion

Auf die Vergärung der Wirtschaftsdünger zur Nutzung behandelter Güllen für die Biogasproduktion sind unter bestimmten Voraussetzungen ebenfalls positive Auswirkungen möglich: Bei höheren Temperaturen, einem nicht zu hoch dosierten Additiv und einer ausreichend langen Lagerung ab 14 Tagen steigen die Methanerträge gegenüber unbehandelt gelagertem Wirtschaftsdünger. Im Projekt lag das Plus bei bis zu 11 Prozent. Sind diese Voraussetzungen hingegen nicht gegeben, kann es auch zu einer Hemmung des Biogasprozesses und sinkenden Methanerträgen kommen.

 

Höhere Stickstoffeffizienz – geringere Düngerkosten

Kalkstickstoff verzögert die Stickstoff(N)-Umsetzung in Gülle und Gärresten durch eine vorübergehende Inaktivierung der Mikroorganismen. In der Forschungsliteratur wird über eine Senkung der Stickstoff-Verluste im Lager um 96 Prozent berichtet. Die damit in den Wirtschaftsdüngern verbleibende größere Stickstoffmenge kann potenziell Mineraldünger ersetzen und dessen Effizienz und Wirtschaftlichkeit verbessern.

Die Forschenden berechneten in Szenarien, dass die Mineraldüngerkosten so insbesondere in Landkreisen mit einem hohen Anteil an Nutztierhaltung deutlich – um bis zu 22 Prozent – sinken können.

Auswirkungen auf die Mikrobiologie

Im Projekt wurden auch die Auswirkungen auf die in den jeweiligen Systemen vorhandenen mikrobiellen Gemeinschaften genauer untersucht. Im Ergebnis komme es laut den Forschenden als Folge der Kalkstickstoffzugabe zu erheblichen Umstrukturierungen; einige prozessrelevante Mikroorganismen werden inaktiviert, andere beginnen sich im System neu zu etablieren – man spricht von funktioneller Redundanz, so dass im Ergebnis wichtige Leistungen wie die Methanogenese oder essentielle Nährstoffkreisläufe im Boden erhalten bleiben.

 

Links

Das Vorhaben EMeRGE wurde vom Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) über den Projektträger Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V. (FNR) gefördert.

Der Projekt-Abschlussbericht

Er enthält auch Anwendungs- und Dosierempfehlungen und eine Beispielkalkulation zur Treibhausgasminderung im Produktionsverfahren Milchkuhhaltung.

Wenn Nahrung krank macht. Teil1: Der Apfel

Zu einem nachhaltigen Lebenstil gehört eine nachhaltige Ernährung. Wir wissen, dass hochverarbeitete Produkte und Softdrinks für unseren Körper schädlich sein können. Doch was, wenn uns auch heutige Grundnahrungsmittel krank machen, anstatt uns zu nähren? Wir wollen uns in einer Themenreihe mit häufigen Lebensmitteln auseinandersetzen und diese näher beleuchten.

Der Apfel gilt als Symbol gesunder Ernährung: ballaststoffreich, vitaminhaltig und praktisch für unterwegs. Gleichzeitig zählt er in Europa zu den Kulturobstsorten mit dem intensivsten Pflanzenschutz. Kaum ein anderes Obst wird so regelmäßig konsumiert – meist roh und mit Schale. Damit eignet sich der Apfel besonders gut, um zu betrachten, welche Stoffe über alltägliche Lebensmittel in unseren Körper gelangen können.

 

Warum gerade der Apfel?

Äpfel werden großflächig angebaut und sind anfällig für Pilzkrankheiten wie Schorf oder Mehltau, für Insektenbefall (z. B. Apfelwickler) sowie für Lagerfäulnis. Um optisch einwandfreie Ware zu erzeugen und Ernteverluste gering zu halten, kommen im konventionellen Anbau über die gesamte Saison hinweg zahlreiche Pflanzenschutzmaßnahmen zum Einsatz.

Ein entscheidender Unterschied zur Kartoffel: Äpfel werden in der Regel ungeschält gegessen. Rückstände auf der Schale gelangen dadurch direkter in den Körper.

Pflanzenschutz im konventionellen Apfelanbau

Während einer Vegetationsperiode können verschiedene Mittel eingesetzt werden, darunter:
• Fungizide gegen Pilzkrankheiten
• Insektizide gegen Schädlinge
• Herbizide im Baumstreifen
• Wachstumsregulatoren
• Nacherntebehandlungen gegen Lagerfäule

Je nach Witterung und Krankheitsdruck sind 20 bis 30 Anwendungen pro Saison keine Seltenheit, in manchen Jahren auch mehr.

Diese Zahlen beziehen sich auf Feldmaßnahmen, nicht auf die tatsächliche Rückstandsmenge im Endprodukt. Die Wirkstoffe werden zu unterschiedlichen Zeitpunkten eingesetzt und bauen sich teilweise ab. Dennoch können am fertigen Apfel mehrere Substanzen gleichzeitig Konzentrationen nachweisbar sein, wie eine Ende Januar 2026 erschienene Studie zeigt.

 

Neueste Studie zeigt massive Pestizid-Belastung bei europäischen Äpfeln

In Europa konventionell angebaute Äpfel sind häufig mit Gemischen an Pestizidrückständen belastet. Das ist das Ergebnis einer Ende Januar 2026 vorgestellten Untersuchung von 59 Apfelproben aus 13 europäischen Ländern durch das Pestizid Aktions-Netzwerk (PAN) Europe, PAN Germany und weiteren Partnerorganisationen.

Die Ergebnisse im Überblick:

Nur 7 % der Proben zeigten keine Pestizidrückstände.
Zwei Drittel (64 %) der Proben enthielten mindestens ein PFAS-Pestizid und
ein Drittel (36 %) der getesteten Äpfel ein neurotoxisches Pestizid.
Sehr bedenklich: Würden die belasteten Äpfel als Gläschennahrung für Babys verarbeitet, wären diese in der EU nicht verkehrsfähig.

 

Deutsche Proben: In allen fünf deutschen Apfelproben ließen sich mindestens zwei Pestizidrückstände nachweisen. Gefunden wurden unter anderem das sehr giftige und wahrscheinlich krebserregende Fungizid Captan, das bienen- und neurotoxische Neonikotinoid Acetamiprid, und das PFAS-Pestizid Flonicamid.  Die höchste gemessene Gesamtpestizidmenge wurde mit 6,48 mg/kg in einem deutschen Apfel aus dem “Alten Land”, einem elbnahen Anbaugebiet südlich von Hamburg, nachgewiesen.

 

Bereits 2024 berichteten wir über die besorgniserregende Zunahme an Ewigkeitschemikalien in europäischen Obst- und Gemüseproben, wobei die Zunahme besonders in österreichischen Lebensmittelproben auffällig war:

EU-Pestizid-Monitoring: Lebensmittel zunehmend mit Ewigkeits-Chemikalien (PFAS) belastet

 

Der Cocktail-Effekt als offene Frage

Die gesetzlichen Höchstgehalte in der EU werden überwiegend für einzelne Wirkstoffe festgelegt. Was bislang nur begrenzt berücksichtigt wird, ist das Zusammenwirken mehrerer Rückstände im Körper. “Cocktails” an Pestiziden fanden sich in 85 % der von PAN untersuchten Äpfel. Obwohl die Gesetzgebung es vorschreibt, wird in der EU die Toxizität solcher Gemische noch immer nicht ausreichend bei der Festlegung von Schutzstandards für Verbraucher:innen berücksichtigt, kritisieren die Nichtregierungsorganisationen in dem Report.

Der sogenannte Cocktail-Effekt beschreibt mögliche additive oder sich gegenseitig verstärkende Wirkungen verschiedener Chemikalien. Auch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit weist darauf hin, dass kombinierte Effekte wissenschaftlich noch nicht vollständig geklärt sind. Erste Ansätze zur Gruppenbewertung existieren, stehen aber noch am Anfang.

Gergely Simon, Campaigner bei PAN Europe hebt hervor: „Eines der auffälligsten Ergebnisse ist, dass 85 % der getesteten Äpfel Rückstände mehrerer Pestizide enthielten. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit wurde vor 20 Jahren beauftragt, eine Methodik zur Regulierung der Cocktail-Effekte von Pestiziden zu entwickeln, aber sie kommt dieser gesetzlichen Verpflichtung immer noch nicht nach.”

HIER kann man den Bericht in englischer Sprache downloaden

 

Weitere mögliche Belastungsquellen

Neben Pflanzenschutzmitteln können bei Äpfeln auch andere Stoffe eine Rolle spielen:
• Schwermetalle wie Cadmium aus belasteten Böden
• Rückstände aus Wachsen oder Nacherntebehandlungen
• Migration aus Verpackungsmaterialien
• natürliche Inhaltsstoffe

 

Bio-Äpfel im Vergleich

Im ökologischen Anbau sind synthetische Pestizide und chemische Nacherntebehandlungen verboten. Zwar werden auch im Bio-Anbau Pflanzenschutzmittel eingesetzt (z. B. Schwefel oder Kupfer), die Vielfalt möglicher Rückstände ist jedoch deutlich geringer.

Für Menschen, die ihre Gesamtbelastung reduzieren möchten, gehören Äpfel zu den Obstsorten, bei denen Bio besonders sinnvoll ist – vor allem wegen des Rohverzehrs mit Schale.

Was Verbraucherinnen und Verbraucher tun können:

Eine vollständige Vermeidung aller Rückstände ist kaum realistisch. Sinnvoll ist ein pragmatischer Umgang:
• Äpfel gründlich waschen und ggf. abbürsten
• bei unklarer Herkunft schälen, (allerdings stecken in der Schale prinzipiell viele Nährstoffe)
• auf regionale und saisonale Ware achten
• Bio bevorzugen
• insgesamt abwechslungsreich essen, um einseitige Belastungen zu vermeiden

 

Vereinfachungsvorschlag der EU-Kommission zur Lebens- und Futtermittelsicherheit

Dieser sieht vor, das Pestizidrecht in wichtigen Punkten zu deregulieren. So sollen Pestizidgenehmigungen zukünftig zeitlich unbegrenzt erfolgen und damit die Verpflichtung zur periodischen Neubewertung der Toxizität der Wirkstoffe unter Berücksichtigung neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse wegfallen. Zudem soll die Aufbrauchfrist nicht mehr zulassungsfähiger Mittel ausgedehnt werden und in Ausnahmen verbotene hormonell schädigende Pestizide weiter eingesetzt werden dürfen.

Der Bericht macht deutlich, dass eine strenge Umsetzung der Gesetze erforderlich ist, um uns Menschen und insbesondere unsere Kinder vor Pestizidbelastungen zu schützen. Was wir nicht benötigen, ist eine Schwächung dieses Schutzes, wie er gerade von der EU Kommission in ihrem Omnibus-Vorschlag zur Vereinfachung der Lebensmittel- und Futtermittelsicherheit vorangetrieben wird. Dieser Vorstoß ist mit den Grundsätzen der EU und den Wünschen der Bevölkerung nicht vereinbar”, meint Pestizidexpertin Smolka von PAN Germany.

 

Unser pro.earth.Fazit:

Wuchsen Obstbäume früher in Streuobstwiesen wild drucheinander, wird heute großflächig eine Sorte angepflanzt. Jede Monokultur bringt große Probleme mit sich, sei es Mais, Weizen, Fichten oder Äpfel. Die Industrialisierung unserer Lebensmittelproduktion zeigt an einer unserer Lieblingsobstsorten die damit verbundenen Schattenseiten. Wir können nun zwar das ganze Jahr über perfekt glänzende Äpfel ohne jegliche Blessuren kaufen, müssen die allerdings mit Einlagerungen von Giftsstoffen in unseren Körpern bezahlen. Wie sich dies auf unsere Gesundheit auswirken wird, können wir wahrscheinlich in den nächsten Jahrzehnten ablesen. Viele warnen heute bereits vor steigenden Krebsraten und anderen gesundheitlichen Folgen, die einen eigenen Artikel verdienen. Wollen wir uns nicht weiter krankmachen, brauchen wir dringend ein Umdenken in der modernen Landwirtschaft hin zu einem regenerativen System.

Warum Europas Landwirtschaft 2025 neu denken muss

Wenn Nahrung krank macht. Teil1: Der Apfel

Zu einem nachhaltigen Lebenstil gehört eine nachhaltige Ernährung. Wir wissen, dass hochverarbeitete Produkte und Softdrinks für unseren Körper schädlich sein können. Doch was, wenn uns auch heutige Grundnahrungsmittel krank machen, anstatt uns zu nähren? Wir wollen uns in einer Themenreihe mit häufigen Lebensmitteln auseinandersetzen und diese näher beleuchten.

Der Apfel gilt als Symbol gesunder Ernährung: ballaststoffreich, vitaminhaltig und praktisch für unterwegs. Gleichzeitig zählt er in Europa zu den Kulturobstsorten mit dem intensivsten Pflanzenschutz. Kaum ein anderes Obst wird so regelmäßig konsumiert – meist roh und mit Schale. Damit eignet sich der Apfel besonders gut, um zu betrachten, welche Stoffe über alltägliche Lebensmittel in unseren Körper gelangen können.

 

Warum gerade der Apfel?

Äpfel werden großflächig angebaut und sind anfällig für Pilzkrankheiten wie Schorf oder Mehltau, für Insektenbefall (z. B. Apfelwickler) sowie für Lagerfäulnis. Um optisch einwandfreie Ware zu erzeugen und Ernteverluste gering zu halten, kommen im konventionellen Anbau über die gesamte Saison hinweg zahlreiche Pflanzenschutzmaßnahmen zum Einsatz.

Ein entscheidender Unterschied zur Kartoffel: Äpfel werden in der Regel ungeschält gegessen. Rückstände auf der Schale gelangen dadurch direkter in den Körper.

Pflanzenschutz im konventionellen Apfelanbau

Während einer Vegetationsperiode können verschiedene Mittel eingesetzt werden, darunter:
• Fungizide gegen Pilzkrankheiten
• Insektizide gegen Schädlinge
• Herbizide im Baumstreifen
• Wachstumsregulatoren
• Nacherntebehandlungen gegen Lagerfäule

Je nach Witterung und Krankheitsdruck sind 20 bis 30 Anwendungen pro Saison keine Seltenheit, in manchen Jahren auch mehr.

Diese Zahlen beziehen sich auf Feldmaßnahmen, nicht auf die tatsächliche Rückstandsmenge im Endprodukt. Die Wirkstoffe werden zu unterschiedlichen Zeitpunkten eingesetzt und bauen sich teilweise ab. Dennoch können am fertigen Apfel mehrere Substanzen gleichzeitig Konzentrationen nachweisbar sein, wie eine Ende Januar 2026 erschienene Studie zeigt.

 

Neueste Studie zeigt massive Pestizid-Belastung bei europäischen Äpfeln

In Europa konventionell angebaute Äpfel sind häufig mit Gemischen an Pestizidrückständen belastet. Das ist das Ergebnis einer Ende Januar 2026 vorgestellten Untersuchung von 59 Apfelproben aus 13 europäischen Ländern durch das Pestizid Aktions-Netzwerk (PAN) Europe, PAN Germany und weiteren Partnerorganisationen.

Die Ergebnisse im Überblick:

Nur 7 % der Proben zeigten keine Pestizidrückstände.
Zwei Drittel (64 %) der Proben enthielten mindestens ein PFAS-Pestizid und
ein Drittel (36 %) der getesteten Äpfel ein neurotoxisches Pestizid.
Sehr bedenklich: Würden die belasteten Äpfel als Gläschennahrung für Babys verarbeitet, wären diese in der EU nicht verkehrsfähig.

 

Deutsche Proben: In allen fünf deutschen Apfelproben ließen sich mindestens zwei Pestizidrückstände nachweisen. Gefunden wurden unter anderem das sehr giftige und wahrscheinlich krebserregende Fungizid Captan, das bienen- und neurotoxische Neonikotinoid Acetamiprid, und das PFAS-Pestizid Flonicamid.  Die höchste gemessene Gesamtpestizidmenge wurde mit 6,48 mg/kg in einem deutschen Apfel aus dem “Alten Land”, einem elbnahen Anbaugebiet südlich von Hamburg, nachgewiesen.

 

Bereits 2024 berichteten wir über die besorgniserregende Zunahme an Ewigkeitschemikalien in europäischen Obst- und Gemüseproben, wobei die Zunahme besonders in österreichischen Lebensmittelproben auffällig war:

EU-Pestizid-Monitoring: Lebensmittel zunehmend mit Ewigkeits-Chemikalien (PFAS) belastet

 

Der Cocktail-Effekt als offene Frage

Die gesetzlichen Höchstgehalte in der EU werden überwiegend für einzelne Wirkstoffe festgelegt. Was bislang nur begrenzt berücksichtigt wird, ist das Zusammenwirken mehrerer Rückstände im Körper. “Cocktails” an Pestiziden fanden sich in 85 % der von PAN untersuchten Äpfel. Obwohl die Gesetzgebung es vorschreibt, wird in der EU die Toxizität solcher Gemische noch immer nicht ausreichend bei der Festlegung von Schutzstandards für Verbraucher:innen berücksichtigt, kritisieren die Nichtregierungsorganisationen in dem Report.

Der sogenannte Cocktail-Effekt beschreibt mögliche additive oder sich gegenseitig verstärkende Wirkungen verschiedener Chemikalien. Auch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit weist darauf hin, dass kombinierte Effekte wissenschaftlich noch nicht vollständig geklärt sind. Erste Ansätze zur Gruppenbewertung existieren, stehen aber noch am Anfang.

Gergely Simon, Campaigner bei PAN Europe hebt hervor: „Eines der auffälligsten Ergebnisse ist, dass 85 % der getesteten Äpfel Rückstände mehrerer Pestizide enthielten. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit wurde vor 20 Jahren beauftragt, eine Methodik zur Regulierung der Cocktail-Effekte von Pestiziden zu entwickeln, aber sie kommt dieser gesetzlichen Verpflichtung immer noch nicht nach.”

HIER kann man den Bericht in englischer Sprache downloaden

 

Weitere mögliche Belastungsquellen

Neben Pflanzenschutzmitteln können bei Äpfeln auch andere Stoffe eine Rolle spielen:
• Schwermetalle wie Cadmium aus belasteten Böden
• Rückstände aus Wachsen oder Nacherntebehandlungen
• Migration aus Verpackungsmaterialien
• natürliche Inhaltsstoffe

 

Bio-Äpfel im Vergleich

Im ökologischen Anbau sind synthetische Pestizide und chemische Nacherntebehandlungen verboten. Zwar werden auch im Bio-Anbau Pflanzenschutzmittel eingesetzt (z. B. Schwefel oder Kupfer), die Vielfalt möglicher Rückstände ist jedoch deutlich geringer.

Für Menschen, die ihre Gesamtbelastung reduzieren möchten, gehören Äpfel zu den Obstsorten, bei denen Bio besonders sinnvoll ist – vor allem wegen des Rohverzehrs mit Schale.

Was Verbraucherinnen und Verbraucher tun können:

Eine vollständige Vermeidung aller Rückstände ist kaum realistisch. Sinnvoll ist ein pragmatischer Umgang:
• Äpfel gründlich waschen und ggf. abbürsten
• bei unklarer Herkunft schälen, (allerdings stecken in der Schale prinzipiell viele Nährstoffe)
• auf regionale und saisonale Ware achten
• Bio bevorzugen
• insgesamt abwechslungsreich essen, um einseitige Belastungen zu vermeiden

 

Vereinfachungsvorschlag der EU-Kommission zur Lebens- und Futtermittelsicherheit

Dieser sieht vor, das Pestizidrecht in wichtigen Punkten zu deregulieren. So sollen Pestizidgenehmigungen zukünftig zeitlich unbegrenzt erfolgen und damit die Verpflichtung zur periodischen Neubewertung der Toxizität der Wirkstoffe unter Berücksichtigung neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse wegfallen. Zudem soll die Aufbrauchfrist nicht mehr zulassungsfähiger Mittel ausgedehnt werden und in Ausnahmen verbotene hormonell schädigende Pestizide weiter eingesetzt werden dürfen.

Der Bericht macht deutlich, dass eine strenge Umsetzung der Gesetze erforderlich ist, um uns Menschen und insbesondere unsere Kinder vor Pestizidbelastungen zu schützen. Was wir nicht benötigen, ist eine Schwächung dieses Schutzes, wie er gerade von der EU Kommission in ihrem Omnibus-Vorschlag zur Vereinfachung der Lebensmittel- und Futtermittelsicherheit vorangetrieben wird. Dieser Vorstoß ist mit den Grundsätzen der EU und den Wünschen der Bevölkerung nicht vereinbar”, meint Pestizidexpertin Smolka von PAN Germany.

 

Unser pro.earth.Fazit:

Wuchsen Obstbäume früher in Streuobstwiesen wild drucheinander, wird heute großflächig eine Sorte angepflanzt. Jede Monokultur bringt große Probleme mit sich, sei es Mais, Weizen, Fichten oder Äpfel. Die Industrialisierung unserer Lebensmittelproduktion zeigt an einer unserer Lieblingsobstsorten die damit verbundenen Schattenseiten. Wir können nun zwar das ganze Jahr über perfekt glänzende Äpfel ohne jegliche Blessuren kaufen, müssen die allerdings mit Einlagerungen von Giftsstoffen in unseren Körpern bezahlen. Wie sich dies auf unsere Gesundheit auswirken wird, können wir wahrscheinlich in den nächsten Jahrzehnten ablesen. Viele warnen heute bereits vor steigenden Krebsraten und anderen gesundheitlichen Folgen, die einen eigenen Artikel verdienen. Wollen wir uns nicht weiter krankmachen, brauchen wir dringend ein Umdenken in der modernen Landwirtschaft hin zu einem regenerativen System.

Warum Europas Landwirtschaft 2025 neu denken muss

Wenn Nahrung krank macht. Teil1: Der Apfel

Zu einem nachhaltigen Lebenstil gehört eine nachhaltige Ernährung. Wir wissen, dass hochverarbeitete Produkte und Softdrinks für unseren Körper schädlich sein können. Doch was, wenn uns auch heutige Grundnahrungsmittel krank machen, anstatt uns zu nähren? Wir wollen uns in einer Themenreihe mit häufigen Lebensmitteln auseinandersetzen und diese näher beleuchten.

Der Apfel gilt als Symbol gesunder Ernährung: ballaststoffreich, vitaminhaltig und praktisch für unterwegs. Gleichzeitig zählt er in Europa zu den Kulturobstsorten mit dem intensivsten Pflanzenschutz. Kaum ein anderes Obst wird so regelmäßig konsumiert – meist roh und mit Schale. Damit eignet sich der Apfel besonders gut, um zu betrachten, welche Stoffe über alltägliche Lebensmittel in unseren Körper gelangen können.

 

Warum gerade der Apfel?

Äpfel werden großflächig angebaut und sind anfällig für Pilzkrankheiten wie Schorf oder Mehltau, für Insektenbefall (z. B. Apfelwickler) sowie für Lagerfäulnis. Um optisch einwandfreie Ware zu erzeugen und Ernteverluste gering zu halten, kommen im konventionellen Anbau über die gesamte Saison hinweg zahlreiche Pflanzenschutzmaßnahmen zum Einsatz.

Ein entscheidender Unterschied zur Kartoffel: Äpfel werden in der Regel ungeschält gegessen. Rückstände auf der Schale gelangen dadurch direkter in den Körper.

Pflanzenschutz im konventionellen Apfelanbau

Während einer Vegetationsperiode können verschiedene Mittel eingesetzt werden, darunter:
• Fungizide gegen Pilzkrankheiten
• Insektizide gegen Schädlinge
• Herbizide im Baumstreifen
• Wachstumsregulatoren
• Nacherntebehandlungen gegen Lagerfäule

Je nach Witterung und Krankheitsdruck sind 20 bis 30 Anwendungen pro Saison keine Seltenheit, in manchen Jahren auch mehr.

Diese Zahlen beziehen sich auf Feldmaßnahmen, nicht auf die tatsächliche Rückstandsmenge im Endprodukt. Die Wirkstoffe werden zu unterschiedlichen Zeitpunkten eingesetzt und bauen sich teilweise ab. Dennoch können am fertigen Apfel mehrere Substanzen gleichzeitig Konzentrationen nachweisbar sein, wie eine Ende Januar 2026 erschienene Studie zeigt.

 

Neueste Studie zeigt massive Pestizid-Belastung bei europäischen Äpfeln

In Europa konventionell angebaute Äpfel sind häufig mit Gemischen an Pestizidrückständen belastet. Das ist das Ergebnis einer Ende Januar 2026 vorgestellten Untersuchung von 59 Apfelproben aus 13 europäischen Ländern durch das Pestizid Aktions-Netzwerk (PAN) Europe, PAN Germany und weiteren Partnerorganisationen.

Die Ergebnisse im Überblick:

Nur 7 % der Proben zeigten keine Pestizidrückstände.
Zwei Drittel (64 %) der Proben enthielten mindestens ein PFAS-Pestizid und
ein Drittel (36 %) der getesteten Äpfel ein neurotoxisches Pestizid.
Sehr bedenklich: Würden die belasteten Äpfel als Gläschennahrung für Babys verarbeitet, wären diese in der EU nicht verkehrsfähig.

 

Deutsche Proben: In allen fünf deutschen Apfelproben ließen sich mindestens zwei Pestizidrückstände nachweisen. Gefunden wurden unter anderem das sehr giftige und wahrscheinlich krebserregende Fungizid Captan, das bienen- und neurotoxische Neonikotinoid Acetamiprid, und das PFAS-Pestizid Flonicamid.  Die höchste gemessene Gesamtpestizidmenge wurde mit 6,48 mg/kg in einem deutschen Apfel aus dem “Alten Land”, einem elbnahen Anbaugebiet südlich von Hamburg, nachgewiesen.

 

Bereits 2024 berichteten wir über die besorgniserregende Zunahme an Ewigkeitschemikalien in europäischen Obst- und Gemüseproben, wobei die Zunahme besonders in österreichischen Lebensmittelproben auffällig war:

EU-Pestizid-Monitoring: Lebensmittel zunehmend mit Ewigkeits-Chemikalien (PFAS) belastet

 

Der Cocktail-Effekt als offene Frage

Die gesetzlichen Höchstgehalte in der EU werden überwiegend für einzelne Wirkstoffe festgelegt. Was bislang nur begrenzt berücksichtigt wird, ist das Zusammenwirken mehrerer Rückstände im Körper. “Cocktails” an Pestiziden fanden sich in 85 % der von PAN untersuchten Äpfel. Obwohl die Gesetzgebung es vorschreibt, wird in der EU die Toxizität solcher Gemische noch immer nicht ausreichend bei der Festlegung von Schutzstandards für Verbraucher:innen berücksichtigt, kritisieren die Nichtregierungsorganisationen in dem Report.

Der sogenannte Cocktail-Effekt beschreibt mögliche additive oder sich gegenseitig verstärkende Wirkungen verschiedener Chemikalien. Auch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit weist darauf hin, dass kombinierte Effekte wissenschaftlich noch nicht vollständig geklärt sind. Erste Ansätze zur Gruppenbewertung existieren, stehen aber noch am Anfang.

Gergely Simon, Campaigner bei PAN Europe hebt hervor: „Eines der auffälligsten Ergebnisse ist, dass 85 % der getesteten Äpfel Rückstände mehrerer Pestizide enthielten. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit wurde vor 20 Jahren beauftragt, eine Methodik zur Regulierung der Cocktail-Effekte von Pestiziden zu entwickeln, aber sie kommt dieser gesetzlichen Verpflichtung immer noch nicht nach.”

HIER kann man den Bericht in englischer Sprache downloaden

 

Weitere mögliche Belastungsquellen

Neben Pflanzenschutzmitteln können bei Äpfeln auch andere Stoffe eine Rolle spielen:
• Schwermetalle wie Cadmium aus belasteten Böden
• Rückstände aus Wachsen oder Nacherntebehandlungen
• Migration aus Verpackungsmaterialien
• natürliche Inhaltsstoffe

 

Bio-Äpfel im Vergleich

Im ökologischen Anbau sind synthetische Pestizide und chemische Nacherntebehandlungen verboten. Zwar werden auch im Bio-Anbau Pflanzenschutzmittel eingesetzt (z. B. Schwefel oder Kupfer), die Vielfalt möglicher Rückstände ist jedoch deutlich geringer.

Für Menschen, die ihre Gesamtbelastung reduzieren möchten, gehören Äpfel zu den Obstsorten, bei denen Bio besonders sinnvoll ist – vor allem wegen des Rohverzehrs mit Schale.

Was Verbraucherinnen und Verbraucher tun können:

Eine vollständige Vermeidung aller Rückstände ist kaum realistisch. Sinnvoll ist ein pragmatischer Umgang:
• Äpfel gründlich waschen und ggf. abbürsten
• bei unklarer Herkunft schälen, (allerdings stecken in der Schale prinzipiell viele Nährstoffe)
• auf regionale und saisonale Ware achten
• Bio bevorzugen
• insgesamt abwechslungsreich essen, um einseitige Belastungen zu vermeiden

 

Vereinfachungsvorschlag der EU-Kommission zur Lebens- und Futtermittelsicherheit

Dieser sieht vor, das Pestizidrecht in wichtigen Punkten zu deregulieren. So sollen Pestizidgenehmigungen zukünftig zeitlich unbegrenzt erfolgen und damit die Verpflichtung zur periodischen Neubewertung der Toxizität der Wirkstoffe unter Berücksichtigung neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse wegfallen. Zudem soll die Aufbrauchfrist nicht mehr zulassungsfähiger Mittel ausgedehnt werden und in Ausnahmen verbotene hormonell schädigende Pestizide weiter eingesetzt werden dürfen.

Der Bericht macht deutlich, dass eine strenge Umsetzung der Gesetze erforderlich ist, um uns Menschen und insbesondere unsere Kinder vor Pestizidbelastungen zu schützen. Was wir nicht benötigen, ist eine Schwächung dieses Schutzes, wie er gerade von der EU Kommission in ihrem Omnibus-Vorschlag zur Vereinfachung der Lebensmittel- und Futtermittelsicherheit vorangetrieben wird. Dieser Vorstoß ist mit den Grundsätzen der EU und den Wünschen der Bevölkerung nicht vereinbar”, meint Pestizidexpertin Smolka von PAN Germany.

 

Unser pro.earth.Fazit:

Wuchsen Obstbäume früher in Streuobstwiesen wild drucheinander, wird heute großflächig eine Sorte angepflanzt. Jede Monokultur bringt große Probleme mit sich, sei es Mais, Weizen, Fichten oder Äpfel. Die Industrialisierung unserer Lebensmittelproduktion zeigt an einer unserer Lieblingsobstsorten die damit verbundenen Schattenseiten. Wir können nun zwar das ganze Jahr über perfekt glänzende Äpfel ohne jegliche Blessuren kaufen, müssen die allerdings mit Einlagerungen von Giftsstoffen in unseren Körpern bezahlen. Wie sich dies auf unsere Gesundheit auswirken wird, können wir wahrscheinlich in den nächsten Jahrzehnten ablesen. Viele warnen heute bereits vor steigenden Krebsraten und anderen gesundheitlichen Folgen, die einen eigenen Artikel verdienen. Wollen wir uns nicht weiter krankmachen, brauchen wir dringend ein Umdenken in der modernen Landwirtschaft hin zu einem regenerativen System.

Warum Europas Landwirtschaft 2025 neu denken muss