Nachhaltig Reisen Folge 11: Biosphärenpark Großes Walsertal – Leben im Einklang mit der Natur
Eine Region, die nicht „nachhaltig wirbt“, sondern nachhaltig lebt
Abseits der großen Verkehrsachsen, zwischen Rätikon und Lechquellengebirge, liegt das Große Walsertal – ein hochalpines Seitental Vorarlbergs, das seit Jahren konsequent zeigt, wie Regionalentwicklung, Naturschutz und Tourismus zusammengehen können. Als UNESCO-Biosphärenpark versteht sich die Region nicht als Museum, sondern als lebendiger Wirtschafts- und Lebensraum: Landwirtschaft, Handwerk, Energie, Bildung und Urlaub greifen hier ineinander.
Wer hierher reist, merkt schnell: Das Tal funktioniert nach eigenen Regeln. Weniger Tempo. Mehr Verantwortung. Und ein klares Bekenntnis zu lokalen Kreisläufen.
Anreise & Mobilität – kleinräumig, logisch, gemeinschaftlich
Die klimafreundliche Anreise führt per Bahn nach Bludenz, von dort mit dem regionalen Bus direkt ins Tal – etwa nach Sonntag oder Fontanella. Vor Ort setzt man auf:
regelmäßige Busverbindungen zwischen den Dörfern
E-Bike-Verleih in mehreren Gemeinden
Gästekarten mit inkludierter Nutzung des öffentlichen Verkehrs
kurze Wege: viele Wanderungen starten direkt an der Unterkunft
Das Ziel ist klar: Urlaub ohne Auto soll die Normalität sein, nicht die Ausnahme.
Übernachten – reduziert, regional, ressourcenschonend
Im Großen Walsertal dominieren kleine, familiengeführte Betriebe statt anonymer Resorts. Gebaut wird mit Holz aus den eigenen Wäldern, geheizt mit Biomasse oder Solar, gekocht mit Zutaten aus dem Tal.
Typisch sind:
Bio-Pensionen mit regionalem Frühstück
Ferienwohnungen in Passivhausbauweise
einfache Berghütten mit eigener Stromversorgung
Viele Gastgeber:innen sind direkt in die Biosphärenpark-Strukturen eingebunden – Übernachten ist hier Teil eines größeren Systems, nicht isolierte Dienstleistung.
Aktivitäten – Natur erleben, nicht konsumieren
Das Große Walsertal ist kein Actionpark. Es ist ein Raum für langsames, bewusstes Unterwegssein:
alpine Wanderungen auf über 230 km markierten Wegen
geführte Kräuter- und Almexkursionen mit lokalen Naturvermittler:innen
Badepause am Seewaldsee – einem kleinen, hochgelegenen Moorsee
Themenwege zu Berglandwirtschaft, Biodiversität und Klimawandel
Statt Events gibt es Wissen. Statt Selfie-Spots echte Landschaft. Und statt Dauerbespaßung Zeit.
Kulinarik – was das Tal hergibt
Die Küche ist bodenständig, saisonal und eng mit der Alpwirtschaft verbunden:
Bergkäse, Butter und Joghurt von lokalen Sennereien
Rind- und Lammfleisch aus extensiver Weidehaltung
Dinkel, Kartoffeln, Kräuter und Beeren aus dem Tal
viele Betriebe arbeiten nach Slow-Food-Prinzipien
Gegessen wird, was gerade da ist – kein importierter Lifestyle, sondern ehrliche Regionalität.
Nachhaltigkeitsfaktor – Biosphärenpark als funktionierendes Modell
Der Biosphärenpark verfolgt einen klaren Ansatz: Schützen durch Nutzen – Nutzen durch Verantwortung.
Konkret heißt das:
über 30 % der Fläche stehen unter strengem Naturschutz
aktive Förderung kleinstrukturierter Berglandwirtschaft
Energieautarkie durch Holz, Sonne und Wasserkraft
Bildungsprogramme für Kinder, Gäste und Betriebe
regionale Wertschöpfung statt externer Investorenlogik
Das Große Walsertal ist damit kein „grünes Aushängeschild“, sondern ein praktischer Beweis, dass nachhaltige Entwicklung im Alpenraum wirtschaftlich tragfähig sein kann – wenn man sie konsequent umsetzt.
Weniger Destination, mehr Haltung
Das Große Walsertal ist kein Ort für schnellen Konsum. Es ist eine Einladung, sich auf andere Maßstäbe einzulassen: Gemeinschaft statt Wachstum, Qualität statt Quantität, Landschaft statt Inszenierung.
Wer hier Urlaub macht, erlebt nicht nur Berge – sondern ein funktionierendes Zukunftsmodell. Still, unspektakulär und genau deshalb so überzeugend.
Nächste Folge:
Altmühltal – Jurafelsen, Solardörfer und sanfter Radurlaub
Eine bayerische Region, die Naturpark, Klimaschutz und entschleunigten Tourismus bemerkenswert verbindet.












